Mehrere Musikerinnnen und Musiker haben ihren Echo zurückgegeben um gegen die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang zu protestieren. Nach dem Klassik-Preisträger Notos Quartett hat am Montag auch der Musiker Klaus Voormann entschieden, den Echo für sein Lebenswerk nicht zu behalten.

Wie Spiegel Online aus einer Mitteilung Voormanns zitiert, habe er sich mit der Entscheidung ganz bewusst Zeit gelassen, habe die Texte des umstrittenen Albums von Farid Bang und Kollegah gelesen, um sich so eine fundierte Meinung bilden zu können. Mit der Rückgabe des Preises wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen".

Voormann kritisiert weiter, dass die Rapper nicht nur ausgezeichnet wurden, sondern dass ihnen auch noch "eine martialische Performance" bei der Gala ermöglicht worden sei. "Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen zu lassen, indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat – und das, obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben –, zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung", schreibt er.

Echo-Konzept soll überarbeitet werden

Vergangenen Donnerstag hatten die beiden Rapper für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3 einen Echo erhalten. Nicht nur wird das Album als antisemitisch kritisiert, auch die Vergabe am 12. April – dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden während des Holocaust erinnert wurde – sorgte für Empörung. Der Sänger der Toten Hosen, Campino, hatte die Auszeichnung der beiden Rapper bereits während der Preisvergabe in Berlin kritisiert. Außenminister Heiko Maas bezeichnete sie wenig später als "beschämend".

Der jährlich verliehene Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis. In den meisten Kategorien richtet sich die Verleihung nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Mittlerweile kündigte der Bundesverband der Musikindustrie als Veranstalter an, das Konzept zu überarbeiten.