Auch die Sächsische Staatskapelle Dresden und Chefdirigent Christian Thielemann geben ihre Klassik-Echos zurück. Er schließe sich der Haltung seines Orchesters an, sagte Thielemann. Die Musiker hatten eine Mitteilung veröffentlicht, in der es hieß: "Ein Preis, der Verkaufszahlen über alles stellt und am Holocaust-Gedenktag einem Live-Auftritt stattgibt, der einer Verhöhnung von Opfern des Dritten Reiches gleichkommt, wird zu einem Symbol eines Zynismus, für den wir nicht stehen."

Kunstfreiheit und das künstlerische Mittel der Provokation entbänden zu keiner Zeit von Verantwortung und den Regeln des guten Geschmackes. Das betreffe die Künstler, "hier jedoch auch die Verleiher des Echo-Preises."

Thielemann hatte 2004 den Klassik-Echo erhalten, sein Orchester bekam die Auszeichnung fünf Jahre später für die Einspielung der Neunten Sinfonie von Anton Bruckner mit Fabio Luisi. Mehrere Musikerinnnen und Musiker haben bereits ihren Echo zurückgegeben um gegen die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang zu protestieren. Die beiden Musiker hatten den Echo für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3 erhalten, das als antisemitisch kritisiert wird.

Der jährlich verliehene Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis. In den meisten Kategorien richtet sich die Verleihung nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Inzwischen kündigte der Bundesverband der Musikindustrie als Veranstalter an, das Konzept zu überarbeiten.