Der Bundesverband Musikindustrie hat entschieden, dass es den Musikpreis Echo nicht mehr geben soll. Das teilte der Branchenverband in Berlin nach einer außerordentlichen Sitzung des Vorstands mit. Dieser reagierte damit auf die Kontroverse um die Preisvergabe an die Rapper Kollegah und Farid Bang, die wegen antisemitischer Texte heftig kritisiert werden. Die Marke Echo sei so stark beschädigt worden, dass "ein vollständiger Neuanfang" notwendig sei, erklärte der Verband. Er will eine neue Auszeichnung schaffen.

Der Echo wurde jährlich verliehen und galt als wichtigster deutscher Musikpreis. Der Echo sei viele Jahre ein "großartiger Preis und zugleich zentrales Branchenevent mit vielen bewegenden Momenten und herausragenden Künstlerinnen und Künstlern" gewesen, erläuterte der Bundesverband Musikindustrie. "Auch steht für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter braucht." Man wolle aber keinesfalls, dass der Musikpreis "als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen" wird.

Neuer Musikpreis mit stärkerer Rolle der Jury

Das Album von Kollegah und Farid Bang enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm an mit dem Molotow". Die Verleihung des Echo an die Rapper hatte eine Welle der Kritik ausgelöst. Etliche Künstler kündigten an, ihre Echo-Trophäen zurückzugeben, darunter Marius Müller-Westernhagen, die Dirigenten Christian Thielemann, Mariss Jansons und Daniel Barenboim sowie der Pianist Igor Levit.

Die Echo-Verleihung richtete sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wurde ein Beirat angerufen. Im Fall des Albums Jung, brutal, gutaussehend 3 von Kollegah und Farid Bang hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Dafür geriet auch der Verband heftig in die Kritik. Er will nach eigenen Angaben dafür Sorge tragen, dass sich ein "solcher Fehler" künftig nicht wiederhole.

Der jetzt angekündigte "vollständige Neuanfang" betrifft auch die Preise Echo Klassik und Echo Jazz. Der Verband will alle drei Preise neu strukturieren und die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe verändern. "Wie beim Echo Klassik und Echo Jazz, die von Anfang an reine Jury-Preise waren, soll beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken." Die bisher involvierten Gremien stellen laut der Mitteilung ihre Tätigkeit ein.

Im Juni will der Branchenverband einen Workshop abhalten, "um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen". Ziel sei es, "den neuen Preis im Sinne aller Künstler sowie der gesamten Branche zu gestalten".

Im Zuge des Skandals trennte sich nun die Bertelsmann Music Group (BMG) von den Rappern. "BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet", teilte das Unternehmen mit. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein BMG-Sprecher nicht äußern. Vorige Woche hatte BMG die Zusammenarbeit zunächst ruhen lassen. Die Bertelsmann-Tochter hatte in Kooperation mit den Musiklabels von Farid Bang und Kollegah das Album Jung, brutal, gutaussehend 3 veröffentlicht, das mit dem Echo ausgezeichnet worden war.