Die Metropolitan Opera (Met) in New York zieht wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen ihren langjährigen künstlerischen Leiter, den Dirigenten James Levine, vor Gericht. In der beim Obersten Gericht in New York eingereichten Klage führt das Opernhaus sieben Fälle sexuellen Missbrauchs auf, die im Zuge einer internen Untersuchung bekannt geworden seien. 

Laut der Klage wirft die Met dem Künstler vor, von Mitte der Siebzigerjahre bis 1999 sieben männliche Musiker missbraucht oder belästigt zu haben. Levine leitete über Jahre das Nachwuchsprogramm der Met, mit dem junge Künstler gefördert werden sollen. Er habe seine Machtposition und Reputation ausgenutzt, schreibt das Opernhaus. Die Met fordert mindestens 5,85 Millionen US-Dollar (knapp fünf Millionen Euro) Entschädigung von dem Dirigenten. Er habe die erforderliche Loyalität nicht gezeigt und dem Ruf sowie den Finanzen des Hauses geschadet.

Die mutmaßlich missbrauchten Männer werden nicht namentlich genannt. Einem damals Minderjährigen habe Levine über einen Zeitraum von zwölf Jahren nachgestellt und ihn in dieser Zeit mehr als sieben Mal unsittlich berührt, zitiert die New York Times aus der Klageschrift. Einen anderen Mann habe er 1985 nach einem Vorsingen mit dem Auto nach Hause gefahren und ihn dort bedrängt. Hinterher habe er ihn in einem "prestigeträchtigen Projekt" eingesetzt. In der Klage wird zudem der Fall eines damals 16-Jährigen aufgeführt, den Levine von 1986 an zu sexuellen Handlungen gezwungen haben soll. Er soll ihm im Laufe der Jahre rund 50.000 Dollar gezahlt haben.

Levine bestreitet die Vorwürfe

Fünf der sieben Fälle waren laut der New York Times bislang nicht bekannt. Die Zeitung hatte Anfang Dezember zusammen mit der New York Post den Skandal öffentlich gemacht. Insgesamt haben sich bisher neun Männer zu Fällen von Belästigung oder Missbrauch durch James Levine geäußert.

Die Met weist in ihrer Klage auch die Vorwürfe von Levine zurück. Dieser hatte nach seiner Suspendierung im Dezember das Opernhaus wegen Vertragsbruchs und Diffamierung verklagt. Levine forderte 5,8 Millionen US-Dollar Entschädigung: Sein Jahresgehalt betrug 400.000 US-Dollar plus 27.000 pro Auftritt. Der Dirigent wehrt sich bis heute gegen alle Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und wirft der Leitung des Opernhauses vor, die #MeToo-Debatte um sexuelle Gewalt auszunutzen, um sich an ihm zu rächen und ihn seines Amtes zu entheben.