Kim Petras wuchs in Uckerath bei Bonn auf und wurde zunächst bekannt, weil sie die weltweit jüngste Transsexuelle war, deren Geschlecht erfolgreich operativ angeglichen werden konnte. Damals war sie 16. Jetzt ist sie 25 und ein Popstar in den USA. Petras schreibt Songs für Fergie und Rihanna, die "New York Times" nennt sie "Princess of Gloss", schon vergleicht man sie mit Lady Gaga. Derzeit arbeitet die Musikerin an ihrem Debütalbum. Im Interview erzählt sie, wie sie sich dorthin gekämpft hat.

ZEIT ONLINE: Wie wird man Pop-Prinzessin?

Kim Petras: Es hat alles mit Songschreiben angefangen. Das mache ich, seit ich zwölf bin. Natürlich war ich nicht direkt gut. Als ich versucht habe, mit Produzenten in Deutschland zusammen zu arbeiten, habe ich viele Absagen bekommen. Die meisten sagten: "Deine Songs klingen zu amerikanisch, das funktioniert in Deutschland nicht. Dein Sound ist zu Pop."

ZEIT ONLINE: Zu Pop – geht das überhaupt?

Petras: Keine Ahnung. Ich habe einfach immer weitergemacht, auf dem Laptop Songs geschrieben, YouTube-Videos hochgeladen. Mit 19 bin ich dann nach Los Angeles, ganz allein und auf eigene Kosten.Ich habe auf einer Studiocouch geschlafen, hatte kein Geld und immer nur Touristenvisa. Aber ich habe schnell Leute kennengelernt, jeden Tag drei Songs geschrieben.

ZEIT ONLINE: Schließlich hat Fergie, die Sängerin der Black Eyed Peas, ein Lied von Ihnen aufgenommen. Was war dann los?

Petras: Fast alle Plattenfirmen hatten plötzlich Interesse. Ich habe bei BMG einen Vertrag als Songwriterin unterschrieben, da war ich ungefähr 22.

ZEIT ONLINE: Das amerikanische V Magazine nennt Sie die "größte Schülerin der Popmusik". Finden Sie das übertrieben?

Petras: (jubelt) Da ist schon was dran. Ich habe seeeeehr viel Popmusik untersucht, von Abba bis Kendrick Lamar. Ich musste wissen, was es braucht, um einen guten Song zu schreiben, was funktioniert und was nicht. Diane Warren, Carole King, Max Martin, die Bee Gees, Queen – das waren meine Songwriting-Idole, ich war besessen von ihnen.

Rekorder - Kim Petras singt »Heart to Break« Kim Petras wurde in Köln als Junge geboren. Jetzt schreibt sie Songs für Rihanna und erobert die US-Popszene. Wir trafen sie auf eine Rekorder-Session.

ZEIT ONLINE: Ist Erfolg kalkulierbar?

Petras: Das Ding ist doch: Wie wird man Popstar? Da muss viel zusammenkommen. Irgendwer muss dich finden und unter Vertrag nehmen. Mich hat niemand mit 17 geholt und gesagt: Du wirst jetzt ein Popstar und die besten Songwriter schreiben dir Songs. Also musste ich das selbst tun.

ZEIT ONLINE: Spielt es für Ihre Songs eine Rolle, dass Sie transsexuell sind?

Petras: Nein, es geht eher um menschliche Dinge: Liebe, Kummer und wie ich mir mein Leben vorstelle.

ZEIT ONLINE: Stört es Sie, dass Sie immer wieder auf Ihre Privatperson angesprochen werden?

Petras: Überhaupt nicht. Ich bin für immer Teil der LGBT-Community und setze mich für sie ein. Das sind meine Leute.

ZEIT ONLINE: Wurden Sie als Transsexuelle in der Musikbranche diskriminiert?

Petras: Eine Frau in einer hohen Position bei einer sehr bekannten Plattenfirma in Los Angeles hat mich mal gefragt, ob ich transsexuell sei, weil es trendy ist. Andere Leute haben gesagt, es sei gegen Gott und haben nicht mehr mit mir gearbeitet.

ZEIT ONLINE: Ihr Manager Larry Rudolph sagt, Ihre Transsexualität sei zwar nur eine Fußnote, aber eine starke.

Petras: Klar, es macht mich speziell. Genauso, dass ich aus Deutschland komme und in Amerika Songschreiberin bin. Ja, ich bin transsexuell. Aber bekannt sein will ich dafür, dass ich eine gute Künstlerin bin!