Wie die Redaktion der deutschen Zeitschrift Spex auf ihrer Website bekannt gibt, wird das Magazin nach 38 Jahren eingestellt. Als Gründe werden sinkende Auflagen und Abonnentenzahlen sowie ein angespannter Anzeigenmarkt genannt. Über vier Jahrzehnte hat die Spex einen Blick auf internationale Popkultur vermittelt, der akademische Diskurse mit großer Nähe zu Subkulturen und subjektivem Musikerleben verband.

Die Spex wurde 1980 von einem Herausgeberkollektiv in Köln gegründet, namensgebend war die Punkband X-Ray Spex. In ihren prägenden Jahren zwischen 1983 und 1999 gehörten Diedrich Diederichsen, Hans Nieswandt, Mark Terkessidis oder auch Dietmar Dath zum Autorenstamm. 

Eine erste Auflagenkrise zeichnete sich bereits Ende der Neunzigerjahre ab. Im Jahr 2000 endete die Selbstherausgeberschaft der Spex-Redaktion und der Piranha-Verlag übernahm die Geschäfte. Seit 2007 arbeitete die Redaktion in Berlin. Die bisher elf Ausgaben im Jahr wurden auf sechs reduziert. Die Chefredaktion wechselte in den vergangenen Jahren in immer kürzeren Abständen. Zuletzt leitete Daniel Gerhardt die Redaktion, der auch Autor von ZEIT ONLINE ist.

In seiner Stellungnahme schreibt Gerhardt, dass sich nicht nur das Geschäftliche, sondern auch das Medienverhalten des popinteressierten Publikums verändert habe: "Jahrzehntelang kümmerte sich der Pop-Journalismus nicht zuletzt darum, seinen Leser_innen einen Überblick über eine kaum zu fassende Menge an neuen Alben, Büchern, Filmen, Serien und Ausstellungen zu verschaffen. Heute sind beinahe alle Platten der Welt für beinahe alle Menschen gleichzeitig verfügbar. Die sogenannte Gatekeeperfunktion von Pop-Journalist_innen hat sich weitgehend erledigt."

Die Redaktion sei aber davon überzeugt, dass es weiterhin wichtig ist, Stimmen aufzuzeigen und zu stärken, "die für übersehene und unterdrückte, versponnene, abseitige und revolutionäre Positionen im Pop stehen – oder sich, ganz aktuell, gegen einen in Deutschland aufblühenden neuen rechten Mainstream in Stellung bringen". Auch in Zeiten von Spotify, iTunes und Youtube gebe es Platten, Filme und Bücher zu entdecken, von denen kein Algorithmus der Welt erzähle.

Wie der Spex erging es in diesem Jahr mehreren Magazinen mit popkultureller Ausrichtung: Im April verkündeten sowohl Neon als auch Intro ihr Ende. Die Spex-Redaktion wird noch zwei Ausgaben produzieren, die nächste erscheint am 25. Oktober. Das letzte Heft wird voraussichtlich am 27. Dezember herauskommen.