Der französische Sänger Charles Aznavour ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilte seine Sprecherin mit. Er sei in der Nacht zum Montag im südfranzösischen Alpilles gestorben.

Er gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des französischen Chansons. Der Sänger mit armenischen Wurzeln wurde mit Liedern wie La Bohème und Emmenez-moi berühmt. Deutschen Fans ist er durch Titel wie Du lässt dich geh'n und La Mamma bekannt. Weltweit verkaufte er mehr als 180 Millionen Platten.

In seiner mehr als 70-jährigen Karriere hat Aznavour über 1.300 Chansons komponiert, die er in fünf Sprachen interpretierte. Zu internationalem Ruhm gelangte Aznavour 1946, als die Sängerin Édith Piaf auf ihn aufmerksam wurde und ihn auf eine Tournee durch Frankreich und die USA mitnahm.  

Seine Lieder handeln von Liebe, Familie, Randgruppen und Armenien, wo er für sein Engagement 1993 vom Präsidenten des Landes zum Sonderbotschafter für humanitäre Aktionen ernannt wurde. Er war armenischer Botschafter in der Schweiz und ständiger Vertreter Armeniens bei den Vereinten Nationen in Genf. Nach Ärger mit französischen Steuerbehörden in den Siebzigerjahren ließ er sich mit seiner schwedischen Frau in der Nähe von Lausanne am Genfer See nieder. Er war dreimal verheiratet und Vater von sechs Kindern. 

Als Schauspieler wirkte Aznavour in über 60 Filmen mit, unter anderem 1979 in der oscarprämierten Verfilmung Die Blechtrommel von Volker Schlöndorff und 2002 in Atom Egoyans Film Ararat, der sich mit dem Völkermord an Armeniern beschäftigte. Zum Durchbruch als Schauspieler verhalf ihm vor allem der Film Schießen Sie auf den Pianisten von François Truffaut aus dem Jahr 1960. 2008 hatte Aznavour das Ende seiner Schauspielerei bekannt gegeben. 

Aznavour wurde 1924 in Paris geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Schon als Neunjähriger sang er im Restaurant seiner armenischen Eltern, die nach Frankreich geflohen waren. Seine Eltern waren genau wie er aber eigentlich Künstler – der Vater Sänger, die Mutter Schauspielerin. Gelegentlich spielte seine Mutter in Paris noch Theater, auch sein Vater sang hin und wieder auf Bällen auf Armenisch und Russisch. Doch ihren Lebensunterhalt verdienten sie mit dem Betrieb eines russischen Restaurants im Herzen von Paris.

Nach einem Sturz hatte der Chansonnier im Sommer dieses Jahres Konzerte in Regensburg und Köln sowie in anderen europäischen Städten absagen müssen. Der Sänger litt an den Folgen eines Oberarmbruchs und mied seitdem die Öffentlichkeit.