Doch, doch, es gibt gute Gründe, sich für dieses Album zu bedanken. Dendemann mag zwar schon im Titel Da nich für! bescheiden abwinken. Aber seine dritte Soloplatte ist eine wichtige Sammlung geworden, und das nicht nur, weil auf deutsch womöglich niemand so sprachfertig rappen kann wie Daniel Ebel, so sein bürgerlicher Name. Schön natürlich, dass er ganz offenbar auch mit bald 45 und nach achtjähriger Albumpause bestens in Form zu sein scheint. Aber wichtig ist Da nich für! zunächst jenseits der ästhetischen Vorzüge, weil es sich konsequent auf jener Seite des Deutschraps positioniert, die in den Diskussionen rund um die Echo-Verleihung des vergangenen Jahres, um die betrüblichen Kollegah und Farid Bang, verdunkelt wurde. 

Nicht dass Dendemann explizit auf den Skandal zu sprechen käme. Oder gar ein Problem mit Gangsta- oder Battlerap hätte: Zum großartigen Abschied seiner Anstellung in Jan Böhmermanns Neo Magazin Royal im Dezember 2016 erschien neben Fettes Brot und Blumentopfs Roger auch Kollegah im TV-Studio. Die Selbstverständlichkeit, mit der Dendemann Stellung bezieht, wirkt umso stärker, als sein Ruf mehr auf flink gereimten Alltäglichkeiten beruht. Angesichts der letztjährigen Diskussionen – und der sozial engagierten Geschichte des Deutschraps – hätte man sich schon ein paar Stimmen mehr gewünscht, die gegen Rassismus und rechten Nationalismus anrappen; auch bei den Chemnitzer #WirSindMehr-Konzerten repräsentierten nur die wenigen, üblichen Verdächtigen die Hip-Hop-Szene, Marteria zum Beispiel und KIZ, auch Casper und Trettmann, die nun auch auf Da Nich Für! mitmischen.

Als Teil der sogenannten goldenen Generation im deutschen Rap, die mit Crews wie den Beginnern, Freundeskreis und den Massiven Tönen in der zweiten Neunzigerhälfte chartsfähig geworden war, wirkt Dendemann nun ein wenig wie ein Elder Statesman. Auch er will zwar, sagte er dem Hip-Hop-Fachblatt Juice, "den Zeigefinger in der Hosentasche" lassen; aber in Keine Parolen, der Vorabsingle mit totschickem Minimalvideo, geht es eben genau darum, sich nicht rauszuhalten oder in Ironie zu flüchten: "Ja, unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar/ Haare in der Suppe, wir rufen bloß den Kellner/ Wenig Ehre, viel Desinteresse/ kaum Anstand, immer Gästeliste."

Seine früheren Politversuche seien eher gescheitert, erklärte er dem Musikexpress. Aber Dendemann hatte natürlich in seiner Zeit bei Jan Böhmermann viel Gelegenheit, zu üben. Von 2015 an hat er 65 Mal den Inhouse-Rapper mit seiner Band Freie Radikale gegeben, dabei stets aktuelle Bezüge in die kurzen Raps graviert und sogar die Höchstschwierigkeit gemeistert, die Pariser Bataclan-Anschläge würdevoll zu verarbeiten. Er habe, sagt er, erst durch die Sendung Zugang zu politischen Themen gefunden. Auf dem Album erklärt er nun, dass er Müde sei, "von den Rechten, den Faschos, den Naziparteien/ den Sexisten, den Machos und Spastivereinen". Bedauerlich natürlich, dass er diesem Bekenntnis mit dem behindertenfeindlichen Schlenker – zwei Schritt vor, einer zurück – eine saure Note beigibt, obschon ihm wohl niemand Ernsteres als eine etwas schlampige Grobheit unterstellen möchte. Darüber hinaus zitiert er die Politpunks Goldene Zitronen, spricht mit einem Rio-Reiser-Sample von Flüchtlingen im Zauberland und bringt in Zeitumstellung seine Haltung knapp auf den Punkt: "Wenn die Demokratie ihren Segen verflucht/ ist dagegen wohl nicht mehr dagegen genug."

Ein ebenso wortwitzig virtuoser wie leichthändig erzählender Rapper war Dendemann schon immer, mit der Spezialität, die unspektakulären Seiten des Alltags aufzubereiten. Sein Ichso, Erso von 1998 gehört zu den Klassikern des deutschsprachigen Raps, eine feine Erörterung von Rucksack- und Straßenwerten, entlang eines Dialogs zwischen einem Pizzaboten und seinem Kunden, eine Art Urszene, "denn Hip-Hop ist wie Pizza/ auch schlecht noch recht beliebt".