Als Mitglied von Guns N' Roses spielte Slash, geboren 1965 in London als Saul Hudson, in einer der erfolgreichsten Rockbands und prägte den Sound einer Generation. Sein Rockstarleben kostete er so gründlich aus, dass nach einer Überdosis sein Herz für acht Minuten stillstand. Heute geht es der Gitarrist etwas ruhiger an. Gerade ist Slash mit Myles Kennedy & The Conspirators auf Welttournee. Und nach mehr als einem Vierteljahrhundert getrennter Wege der Bandmitglieder steht jetzt, wie er im Interview verrät, auch ein neues Guns-N'-Roses-Album an.

ZEIT ONLINE: Slash, man erzählt sich, Sie spielten gern mit Bauklötzen.

Slash: Lustig, oder? Als ich in der Rehaklinik war, um trocken zu werden, baute ich, sozusagen als Therapie, Legosets zusammen. Man hat mir das nicht verschrieben, aber ich habe es gemacht, um mich zu beschäftigen. Mittlerweile kaufe ich meinen beiden Jungen oft nur Lego-Bausätze, damit ich Ihnen helfen kann, sie zusammenzubauen.

ZEIT ONLINE: Dinosaurier haben es Ihnen ebenfalls angetan. Was fasziniert Sie an diesen Tieren?

Slash: Bestimmt 70 Prozent aller Jungen lieben Dinosaurier, wachsen aus dieser Phase aber heraus. Das passierte bei mir einfach nicht. Was wahrscheinlich mit dem Monsterfaktor zu tun hat. Ich habe alle Bücher über Dinosaurier gelesen, die ich in die Finger bekam, zeichnete Dinos und studierte alles, was mit ihnen zu tun hatte. Im Grunde beschäftige ich mich seit meinem vierten, fünften Lebensjahr mit Paläontologie. Ich habe mir Google-Alerts für Tiere aus dem Mesozoikum eingerichtet und halte mich über Instagram auf dem Laufenden.

ZEIT ONLINE: Lego, Dinosaurier – was hat das mit Rock 'n' Roll zu tun?

Slash: Das Rockstar-Ding erfinden doch die Journalisten. Es stimmt, Musiker zu sein ist etwas anderes, als einem Nine-to-five-Job nachzugehen. Dazu kommen das Leben auf Tour und die Geschichten, die dort passieren. Wir waren alle schon mal an dem Punkt. Klar, es ist an dem Rockstar-Klischee etwas dran, aber letztlich sind Musiker doch Menschen wie alle anderen auch. Es gibt zwar welche, die alles daran setzen, ihr Image aufrechtzuerhalten. Es hat mich aber schon immer abgetörnt, jemanden zu sehen, der sich mächtiger fühlt, nur weil er plötzlich ein schnelles Auto fährt, einen Pelzmantel trägt oder in einem Privatjet sitzt.

ZEIT ONLINE: Oder eine Gitarre besitzt, die 200.000 Dollar kostet?

Slash: Na ja, gute Gitarren sind halt gute Gitarren. Ich bekenne mich schuldig: Auch ich besitze einige sehr schöne und sehr teure Gitarren. Aber ich benutze sie auch.

ZEIT ONLINE: Ihr Vater gestaltete Albumcover für Neil Young und Joni Mitchell; Ihre Mutter war Kostümdesignerin. So kamen Popstars wie zum Beispiel David Bowie zu Ihnen nach Hause, als Sie noch jung waren. Hat Ihr Umgang mit der eigenen Prominenz etwas damit zu tun, wie Sie aufwuchsen?

Slash: Als Kind hat man ja nicht wirklich etwas, mit dem man sein eigenes Leben vergleichen kann. Wenn ich zurückblicke, bin ich aber glücklich, in so einem künstlerischen Umfeld aufgewachsen zu sein. Ich ging allerdings die meiste Zeit auf eine staatliche Schule – da passte ich nie so richtig rein, weil ich eben nicht aus einer typisch amerikanischen Mainstream-Familie kam.

ZEIT ONLINE: Ihre Welt war stattdessen von Musikern und Künstlern bevölkert.

Slash: Ja, aber dass viele davon ziemlich bekannt waren, fiel mir damals gar nicht auf. Ich lernte intelligente, in einigen Fällen würde ich sogar sagen intellektuelle Menschen aus der Gegenkultur kennen, die sich gegen das Establishment stellten. Verdammt coole Leute, die später zu meinen Helden wurden. Ich sah aber auch jede Menge schillernde Arschlöcher, die dachten, die Welt sei ihnen etwas schuldig. So wollte ich nie werden.