Der weltweit gefeierte Opernsänger und Dirigent Peter Schreier ist tot. Er starb am ersten Weihnachtsfeiertag im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit in Dresden, wie seine langjährige Sekretärin sagte; zuerst hatten die Dresdner Neuesten Nachrichten darüber berichtet. Schreier galt als einer der führenden lyrischen Tenöre und als größter DDR-Exportschlager auf sängerischem Gebiet.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Peter Schreier als "einen großen Musiker und eine der eindrucksvollsten Stimmen unseres Landes". Als lyrischer Tenor habe er "in zahlreichen Rollen in den Opernhäusern der Welt brilliert und immer auch für die Kulturnation Deutschland gestanden". Schreier habe vor allem als Interpret der Werke Johann Sebastian Bachs Maßstäbe gesetzt: "Unvergessen bleibt er als Evangelist in den Passionen des früheren Thomaskantors." In seiner über vier Jahrzehnte währenden Karriere als Sänger habe Schreier "Musikgeschichte geschrieben, der er später als Dirigent und als Lehrer vieler Nachwuchssänger weitere Kapitel hinzufügte". Er werde "als Vollblut-Musiker und als begnadeter Sänger" fehlen.

Peter Schreier wurde 1935 in Meißen geboren und kam mit acht Jahren zum Dresdner Kreuzchor, wo er sein Talent früh auch als Solist entfalten konnte. Später studierte er in Dresden Gesang und Dirigieren. 1959 stand er erstmals auf der Opernbühne – als Erster Gefangener in Beethovens "Fidelio". 1962 schaffte er den Durchbruch als Belmonte in Mozarts "Entführung aus dem Serail".

Mozart, Bach, Schubert

Schreier gastierte in mehr als 60 Partien auf den wichtigsten Opernbühnen der Welt – unter anderem an der Mailänder Scala und an der New Yorker Met. Auch bei den Bayreuther Festspielen und den Salzburger Festspielen war er oft zu erleben. Weltweit bekannt wurde Schreier als Mozartsänger, aber auch durch seine Gestaltung der Evangelistenpartien in Bachs Oratorien. Sein Repertoire umfasste dazu noch Lied (Schubert) und Operette ("Die Fledermaus"). Schreier wurde bisweilen als "Dietrich Fischer-Dieskau der DDR" bezeichnet.

Peter Schreier ließ ebenso als Dirigent aufhorchen: 1972 war er an der Staatsoper Berlin von ehemaligen Kommilitonen gefragt worden, ob er nicht den Taktstock führen wolle. Er stand später sogar bei den Wiener Philharmonikern und beim New York Philharmonic Orchestra am Pult. Er genoss Reisefreiheit und andere Privilegien, ohne SED-Mitglied zu sein.

Mit bereits 65 Jahren nahm Schreier seinen Abschied von den Opern- und Konzertbühnen. Danach war er noch als Dirigent und Gesangslehrer aktiv, bis auch diese Tätigkeiten zu beschwerlich für seine angeschlagene Gesundheit wurden: Schreier plagten Rückenprobleme, er lebte mit Bypässen und war Diabetiker.

Für Schreier kam es trotz mancher Angebote nie in Frage, nach einem auswärtigen Engagement im Westen zu bleiben. Er war in seiner Heimat verwurzelt: "Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht in Dresden leben könnte." In den letzten Jahren seines Lebens war es still um ihn geworden. Peter Schreier musste immer wieder zwischen seinem Landhaus am Elbhang im Dresdner Stadtteil Loschwitz und dem Krankenhaus wechseln.