Die US-Popsängerin Billie Eilish hat bei den diesjährigen Grammys die Preise in allen vier Hauptkategorien gewonnen. Die erst 18-jährige Musikerin wurde in Los Angeles für das Beste Album (When We All Fall Asleep, Where Do We Go?), die Beste Aufnahme, den Besten Song (beides für Bad Guy) und als Beste Newcomerin des Jahres geehrt.

"Gott, das ist so verrückt", sagte Eilish. "Das sind meine ersten Grammys. Ich hätte nie gedacht, dass mir das in meinem ganzen Leben mal passieren würde." Neben den Preisen in den vier Hauptkategorien bekam sie noch einen fünften Grammy für das Beste Pop-Gesangsalbum, das sie zusammen mit ihrem Bruder Finneas aufgenommen hatte. Er bekam für seine Arbeit als Co-Autor, Produzent und Toningenieur sechs Auszeichnungen.

"Verwirrt und dankbar hier oben"

Eine Rede, so sagte es Finneas auf der Bühne, hätten er und seine Schwester nicht vorbereitet. Sie hätten das Album auch nicht gemacht, um einen Grammy zu gewinnen. "Wir dachten nicht daran, dass es jemals irgendetwas gewinnen würde. Wir schrieben das Album über Depressionen und suizidale Gedanken und Klimawandel und darüber, der böse Typ zu sein – was auch immer das heißt –, und wir stehen heute verwirrt und dankbar hier oben." Sie hätten "einfach nur gemeinsam Musik in einem Zimmer gemacht" und dies täten sie auch weiterhin. Seine Preise widme er "all diesen Kids, die heute Musik in ihren Zimmern machen – ihr bekommt mal einen von denen", sagte Finneas mit Blick auf die Trophäen.

Die 62. Grammy-Show fand im Staples Center von Los Angeles statt. Insgesamt wurden Preise in 84 Kategorien vergeben. Die Rapperin Lizzo, die mit acht Nominierungen als eigentliche Favoritin gegolten hatte, gewann letztlich drei Grammys, unter anderem für die Beste Pop-Solo-Darbietung mit Truth Hurts. Der Rapper Lil Nas X, der sechsmal nominiert war, wurde für seinen Charterfolg Old Town Road für die Beste Pop-Darbietung eines Duos und für das Beste Musikvideo ausgezeichnet.

Nur ein Grammy geht nach Deutschland

In weiteren Kategorien gewannen Lady Gaga zwei Grammys für die Musik des Kinohits A Star is Born und Beyoncé einen Preis für die Beste Filmmusik für Homecoming. Die frühere First Lady Michelle Obama gewann einen Grammy für die Hörbuchversion ihrer Autobiografie Becoming. Zudem wurde der im vergangenen Jahr ermordete Rapper Nipsey Hussle posthum mit zwei Grammys geehrt. Ihm wurde der Musikpreis für die Beste Rapdarbietung für Racks in the Middle und für die Beste Rap-Gesangsdarbietung für Higher verliehen.

Ein Grammy ging auch nach Deutschland: Die NDR Bigband wurde ausgezeichnet – zusammen mit dem US-Jazztrompeter Randy Brecker – in der Kategorie Bestes improvisiertes Jazzsolo. Sie erhielten den Preis für den Song Sozinho auf Breckers Album Rocks.

Mehrere prominente deutsche Künstler gingen dagegen leer aus. Der Filmkomponist Hans Zimmer war für die Musik des Films König der Löwen zwar in zwei Kategorien nominiert, gewann aber keine der begehrten Auszeichnungen. Der Dirigent Christian Thielemann, der zusammen mit dem Festspielorchester Bayreuth und dem Festspielchor Bayreuth mit einer Aufnahme der Wagner-Oper Lohengrin nominiert war, gewann ebenfalls nicht. Der deutsche DJ Sascha Ring alias Apparat musste sich in der Kategorie Bestes Dance-/Elektronikalbum den Chemical Brothers geschlagen geben.

Gedenken an Kobe Bryant

Während der Gala wurde auch des kurz zuvor bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Ex-Basketballspielers Kobe Bryant gedacht. "Dieser Abend ist für Kobe", rief die Sängerin Lizzo, bevor sie die Show in Los Angeles mit einem Medley ihrer Hits eröffnete. Auf Großbildschirmen wurde später ein Foto des Sportlers gezeigt, während Alicia Keys mit der Band Boyz II Men das Lied It's So Hard to Say Goodbye to Yesterday anstimmte. "Los Angeles, Amerika und die ganze weite Welt haben einen Helden verloren", sagte Keys, die auch als Moderatorin durch den Abend führte.

Der 41-jährige Bryant war am Sonntag bei einem Hubschrauberabsturz nahe Los Angeles ums Leben gekommen. Unter den insgesamt neun Opfern war auch Bryants 13-jährige Tochter Gianna. Bryant gilt als einer der besten Spieler in der Geschichte der nordamerikanischen Profiliga NBA. Er holte in seiner 20-jährigen Laufbahn fünf Meisterschaften mit den LA Lakers und gewann bei den Olympischen Sommerspielen 2008 und 2012 die Goldmedaille mit dem US-Team.