Die russische Polizei hat die Punkband Pussy Riot bei Dreharbeiten für ein neues regierungskritisches Video mit dem Titel Rage gestoppt. Im Kinostudio Lenfilm in St. Petersburg sei nach einem Einsatz der Beamten der Strom abgestellt worden, teilte die Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa mit. Der Vorwurf laute, das Video sei illegal, weil es Homosexualität "propagiere" und extremistisch sei, schrieb die 30-Jährige im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Punksong handele vom Widerstand gegen die Machthaber in Russland und gegen Polizeigewalt.

Laut Tolokonnikowa hatte die Polizei schon vorab versucht, bei der Lenfilm-Leitung eine Absage der Dreharbeiten zu erreichen. Das Studio habe aber erklärt, dass der Vertrag mit den Künstlerinnen unterzeichnet und die Miete bezahlt sei. "In dem Clip sollte auch die Polizei vorkommen – statt der Kinodarsteller kam eine echte Einheit", sagte sie.

Pussy Riot hat ein Video von dem Polizeieinsatz veröffentlicht und kritisiert, dass es in Russland an Kunst- und Redefreiheit fehle. Trotzdem will die Band das Video für ihre neue Single noch drehen: "Wir sammeln nun Geld für neue Dreharbeiten – und ich bin überzeugt, dass wir das zusammenbekommen", teilte Tolokonnikowa mit.

Tolokonnikowa, die wegen einer Protestaktion gegen Russlands Präsident Wladimir Putin in einer Kirche schon im Straflager saß, gilt als Frontfrau der oft mit bunten Strumpfmasken auftretenden Protestgruppe Pussy Riot. Sie gibt als Band Konzerte und sorgt immer wieder mit radikaler Videokunst für Aufsehen. Auch in den USA, wo Tolokonnikowa ein Video gegen Rassismus und Sexismus unter US-Präsident Donald Trump drehte, ist die Frauengruppe bekannt – auch aus der Serie House of Cards.