Andy Gill, Gitarrist der einflussreichen britischen Punkrockband Gang of Four, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Er sei am Samstag den Folgen einer Atemwegserkrankung erlegen, teilte die Gruppe mit. Seine Bandkollegen würdigten Gills Hingabe an die Musik: Noch im Krankenhaus habe er Aufnahmen für ein bald erscheinendes Album angehört und die nächste Tour geplant. "Wir werden seine Freundlichkeit und Großzügigkeit, seine Furcht einflößende Intelligenz, schlechten Witze, verrückten Geschichten und endlosen Tassen mit schwarzem Tee in Erinnerung behalten. Und zufälligerweise war er auch ein kleines Genie."

Mitte der Siebzigerjahre gründeten Gill, Sänger Jon King, Drummer Hugo Burnham und Bassist Dave Allen im englischen Leeds die Band, die Elemente von Rock, Funk, Reggae und R&B vermengte. Ihr Debütalbum Entertainment! von 1979 gilt als eine der bahnbrechendsten Platten der Punkära, das Magazin Rolling Stone führte es 2003 in der Liste der 500 besten Alben überhaupt. Einen Top-40-Hit landete die Band zwar nie, schuf mit Songs wie Natural's Not in It und At Home He's a Tourist jedoch Klassiker für die Szene.

Anteil am Legendenstatus der Gang of Four hatte Gill, der mit seinem scharfen, bisweilen groben und gezackten Gitarrenspiel den Sound der Band prägte. Die Gang of Four nahm zwei Alben und zwei EPs auf, ehe Bassist Allen die Band 1982 verließ, weil er das ständige Touren leid war. Die verbliebenen Mitglieder nahmen eine weitere Platte auf, hörten 1984 dann jedoch auf. Allerdings brachten King und Gill in den Neunzigerjahren als Gang of Four zwei Alben heraus. Gill war das letzte Gründungsmitglied, das mit dem Namen der Band auf Tour ging.

Gang of Four beeinflussten mit ihrem Sound Bands wie LCD Soundsystem, Bloc Party, Futureheads und Franz Ferdinand. Respekt verschaffte sich Gill auch als Produzent. In dieser Funktion wirkte er am 1984 erschienen Debütalbum von Red Hot Chili Peppers mit und arbeitete mit Bands wie The Jesus Lizard, Stranglers und Killing Joke.