Es war einmal ein Mann, der wollte mit seinem Klappfahrrad mit dem ICE von München nach Mannheim... Kurz nach dem Einstieg meinte ein übermotivierter Schaffner, dass es verboten sei, Fahrräder im ICE mitzunehmen. Doch der eifrige junge Mann entgegnete ihm, dass ein zusammengeklapptes Fahrrad ja kein Fahrrad, sondern ein Gepäckstück sei. "Oh, ein Gepäckstück?!", entgegnete der entzürnte Beamte, "ein Fahrrad bleibt ein Fahrrad! Bitte steigen Sie am nächsten Halt aus!".

Die Landschaft flog vorbei und wir ließen Augsburg und Ulm hinter uns; der nette junge Herr wähnte sich bereits in Sicherheit... Unmittelbar vor Stuttgart ermahnte ihn der Schaffner erneut: "Ich sagte Ihnen doch, dass Sie aussteigen sollen!".

Der stets freundlich bleibende Mann erwiderte ihm, dass sein Fahrrad - zusammengeklappt - kaum größer als ein Koffer sei (und es war tatsächlich ein modernes und sehr sehr kleines Fahrrad) und es locker zwischen zwei Sitze im Großraumwagen passen würde. Deshalb sei es kein Fahrrad, sondern ein Gepäckstück. Als Gepäck gelte alles - so stünde es in den Beförderungsrichtlinien der Bahn - was verpackt wäre. Und im Verpackungsgesetz wäre festgehalten, dass ein Körper als verpackt gelte, sobald ein Produkt zum bessern Transport oder zur besseren Lagerung geschützt und befähigt wäre. Und da um sein Fahrrad eine Transportschleife gewickelt sei und die Abmessung den Anforderung der Bahn entsprechen würden, dürfe er es mitnehmen. Der Schaffner solle ihm bitte zeigen, wo in den Bahnbeförderungsrichtlinien stünde, dass er sein zusammengeklapptes und verpacktes Fahrrad nicht mitnehmen dürfe.

Wir ließen Stuttgart hinter uns... Unaufdringlich näherten wir uns Mannheim, als aus den Untiefen des Zuges der Schaffner erneut bei unserem Freund auftauchte: "Wieso sind Sie in Stuttgart immer noch nicht ausgestiegen?" "Weil ich nach Mannheim muss!", entgegnete ihm unser vermeintlicher Jura-Student. Den Beweis, dass man koffergroße Klappräder im ICE nicht mitnehmen darf, blieb uns der Bahnbedienstete weiterhin schuldig. Er erwiderte lediglich, dass es Konsequenzen für ihn haben werde.

In Mannheim stieg ich aus. Als ich einer junger Frau half, ihren Kontrabass (!) aus dem Zug "auszuladen" und ich am Bahnsteig zurückblickte, sah ich den Schaffner den Radler einem Empfangskomitee von Bahnsicherheitsbeamten übergebend. Ein Lachen konnte ich mir in diesem Moment nicht verkneifen... Vielleicht sollte er in Zukunft sein Fahrrad in einem Kontrabass-Koffer im ICE befördern...

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Fußnote: Wir haben die Deutsche Bahn AG gebeten, zu dem ausgewählten Leser-Beitrag der Woche jeweils kurz Stellung zu nehmen. Leider hat die Pressestelle der Bahn dies abgelehnt.