Liebe Deutsche Bahn AG,
eigentlich wollte ich ja gar nicht mehr schreiben, denn dies ist ganz sicher nicht mein erster Brief an Sie. Der Aufruf der ‚Zeit‘, den ich nebenbei bemerkt als großartig empfinde und deren Ausgabe ich sehnlichst erwarte, motivierten mich dennoch ein letztes Mal – so hoffe ich – dazu, Ihnen zu schreiben. Über Verspätungen mag ich an dieser Stelle nicht reden, denn es ist durchaus nachvollziehbar, dass es eine herausragende Aufgabe ist, alle Züge zu koordinieren und dies meine ich tatsächlich ernst und was bitte schön sind 10 Minuten Verspätung. Darüber bin ich immer äusserst glücklich, denn die Chance, dass ich meinen Anschlußzug bekomme, ist sehr realistisch, um nicht zu sagen hoch. Ich will mich ja auch gar nicht beschweren, wenn es mal eine halbe Stunde ist oder die Verspätung sich vergrößert, denn der nächste Zug kommt garantiert eine Stunde oder zwei später und auch das kommentarlose Ausfallen von Zügen ist ja nicht weiter schlimm. Die Tatsache, dass der Bahnreisende mindestens eine halbe Stunde am Bahnhof sein sollte, um am Expressverkauf ganz sicher noch ein Ticket zu bekommen, ist für mich seit gestern auch kein Anlass mehr mich zu beklagen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof stellte ich gestern fest, dass es extra einen Schalter für bahn.comfort Kunden gibt, an dem kein Reisender länger als 5 Minuten warten mußte, vorausgesetzt man ist bahn.comfort Kunde. Deshalb ist es für mich auch verständlich, dass das ‚Ziehen einer Nummer‘, um eine gerechte Behandlung gewährleisten zu können, kurze Zeit nach dessen Einführung am erwähnten Bahnhof wieder abgeschafft wurde (vermutlich ein Kostenfaktor), denn wie gesagt am bahn.comfort Schalter ist die Warteschlange nicht lang.

Nein. Ich will mich über Kleinigkeiten dieser Art in keinsterweise beschweren, denn die Gewöhnung kommt mit der Zeit und da ich ein fleißiger Kunde der Deutschen Bahn AG bin ohne Kinder und bahncardliebend, bin ich überaus glücklich über die Einführung des neuen Preissystems. Mit neuer Bahncard, meine alte ist leider noch nicht abgelaufen und Vorrausbuchung ist die Fahrt mit der Bahn beinahe kostenlos, gibt es deshalb in irgendeiner Form Anlass zur negativen Kritik. Nein. Nicht einmal latent. Ich sitze gerade im RE von Dortmund nach Düsseldorf, nein, nicht in einem von diesen alten, angesprühten, lauten Zügen mit nicht betretbaren Toiletten, sondern in einem dieser hochmodernen und ich laß just in diesem Moment den Artikel der Zeit und das motivierte mich, um Ihnen noch einmal zu schreiben. Ich liebe die Deutsche Bahn AG, um ehrlich zu sein, wüßte ich nicht, was ich ohne sie tun sollte. Ehrlich. Ich hoffe, dass Sie diesen Brief nicht erst in 4-6 Monaten lesen werden, so lange hat es meistens gedauert, um eine Antwort von Ihnen zu erhalten. Dies kann ich allerdings gut verstehen, da ihr Schriftverkehr nicht mit meinen 2 Briefen, die ich täglich erhalte, zu vergleichen ist. Liebe Deutsche Bahn AG der Grund, warum ich Ihnen noch einmal schreibe, ich wollte nur einmal Danke sagen! Für Alles!

Stellungnahme der Bahn:
Wir haben zu danken: Für die Treue dieses Bahnkunden und vielleicht auf für die Liebe zur Bahn, die wir hinter so viel Ironie vermuten.