10.11.2002 Mein Chef teilt mir mit, dass ich am 15.11. um 10:00 Uhr einen Termin in Heidelberg habe, ich such mir also per Internet und zur Sicherheit auch noch per Telefon einen Reiseplan zusammenstellen, der besagt, dass ich am 15.11. um 5:41 Uhr ab Krefeld losfahre, in Köln um 6:21 ankomme, um dann bequem mit siebenminütiger Pause den IC direkt nach Heidelberg besteige.

Am 15.11. bleibt der Regionalexpress um 6:20 Uhr, den HBF in Sichtweite, stehen, weil keine Einfahrtsgenehmigung erfolgt. Ein gutes Dutzend Passagiere, darunter ich, wird unruhig, weil wir alle den IC erreichen müssen. Um 6:27 landen wir dann im HBF und rennen zum Bahnsteig, wo der IC abfahren soll. Wir erreichen mit letzter Puste den Bahnsteig, die Türen sind noch geöffnet, die Schaffner sehen uns noch und verweigern uns den Zutritt. Die Türen schließen sich, der Zug fährt los: ohne uns. Was tun?

Ich erkundige mich: der nächste IC nach Heidelberg geht in zwei Stunden, der Termin würde platzen, Ausweichmöglichkeit ist nur der rasante Super- ICE, den ich eigentlich spontan gar nicht nutzen kann, wegen fehlender Reservierung; doch ich habe Glück, der Zug ist nicht voll und nach dem Bezahlen eines 21 Euro teuren Zuschlags lande ich schließlich mit zweimal Umsteigen (Frankfurt Fernbahnhof und Mannheim) erschöpft in Heidelberg.

Am nächsten Tag schicke ich ein Email an den Kundenservice, in dem ich mich beschwere....drei Wochen lang keine Rückmeldung. Schließlich rufe ich bei der Bahn an und erhalte die Auskunft: " Die Kunden müssen eine mögliche Verspätung mit einkalkulieren, wenn Sie ihre Termine machen und mit der Bahn fahren wollen" und auch dann wenn " die Auskunft einem immer die günstigste Verbindung nennt" und " liebe Frau, 7 Minuten sind doch wirklich zu wenig Zeit, um den Bahnsteig zu wechseln.."

Das nenn ich Umkehrung der Verantwortung: wie bei der Telekom: der Kunde ist schuld, wenn der Zug Verspätung hat.

Stellungnahme der DB:
Einen Anschlusszug vor den Augen der umsteigenden Fahrgäste abfahren zu lassen, ist eine Todsünde. Allerdings kann nicht immer gewartet werden, denn auch im Anschlusszug sitzen Kunden, die nicht so gerne warten und vielleicht woanders wieder einen Anschluss erreichen müssen.