Der Opa hat Geburtstag. Seinen Achtzigsten. Drei Kinder und zwei Erwachsene – das ist für ein Auto und eine lange Strecke fast schon zu viel. Also diesmal ganz vorbildlich mit der Bahn. Beim Kaffeeklatsch hört die Mutter von Gleisarbeiten auf der Strecke Ingolstadt–München und erkundigt sich bei der Bahnauskunft, ob es dort Komplikationen gäbe. "Vereinzelt", antwortet man ihr. "Aber nicht an diesem Sonntag." Na gut, aber man weiß ja nie. Zur Sicherheit bittet sie einen Verwandten, der im Besitz eines Internetanschlusses ist, noch einmal nachzusehen. Er kann keine Fahrplanänderung feststellen, aber auch er hat schon von gewissen Gleisbauarbeiten gehört. Also ruft die Mutter ein zweites Mal die Auskunft an, um sich die Zeiten noch einmal bestätigen zu lassen. Immerhin, vielleicht weiß das andere Mädchen in der Leitung doch genauer Bescheid als das erste? "Sind Sie sich sicher, ja?" hakt die Mutter nach. Ob sie die Bahnbeamten für Idioten hielte, fragt man sie zurück. Nein, natürlich nicht.

Also, sechs Uhr früh, Gaimersheim. Umsteigen in Ingolstadt. Alles läuft wie geschmiert – bis Petershausen. Dort endet die Bahn; die Fahrgäste sollen in Busse umgeladen werden, die nirgends zu sehen sind. Vierzig Minuten später treffen sie endlich ein und beschwichtigen die Fahrgäste. Nur keine Aufregung.

Der Bus hält in Dachau. "Ab hier geht es mit der S-Bahn weiter", ruft fröhlich der Busfahrer und lässt die verdutzten Passagiere am Bahnhof zurück. Die nächste S-Bahn kommt schon nach 15 Minuten; noch einmal so lange und man hat den Münchener Hauptbahnhof erreicht. Na also. Der geplante Zug ist natürlich längst über alle Berge, und mit dem familienfreundlichen Wochenendticket kann man nun eine ganze Zeit lang nicht mehr fahren, weil die nächsten Züge Interregios sind. Heißt das, wir müssen drei Stunden am Bahnhof verbringen? Und bei der Ankunft hat der Opa dann nur noch fünf Stunden Geburtstag! Und wie kommen wir überhaupt wieder heim? Der Kleine hat inzwischen Hunger, eigentlich alle schon. Statt Schweinebraten gibt’s Burger King (kostet nur ein Wochenendticket), und die Euro 1,50 fürs Klogehen sollte man sich doch eigentlich verkneifen können …

Es muss etwas passieren. Die Mutter schildert im Reisezentrum ihr Problem: Dass es nicht ihre Schuld gewesen sei, dass sie den Zug verpasst haben, und ob sie nicht einen Interregio nehmen dürften dafür. "Da müssen Sie sich halt vorher genau erkundigen, gute Frau!" Die gute Frau Mutter berichtet von ihrer Erkundungsodyssee. "Jetzt binden Sie mir doch keinen Bären auf! Sämtliche Mitarbeiter der Bahn sind genauestens informiert worden. Sie halten uns wohl alle für Volltrottel!" Nein, das nicht. Der Trottel ist immer der Fahrgast. Aber der Opa hat sich trotzdem gefreut, zu später Stunde noch einmal mit seinen Lieben speisen zu dürfen.

Stellungnahme der DB:
Die größte Baustelle der Bahn hat nichts mit Streckenarbeiten oder Bahnhöfen zu tun - es ist die Kundeninformation im Störungsfall. Noch in diesem Frühjahr starten wir das Reisendeninformationssystem. Flächendeckend werden Kunden und Mitarbeiter schneller und zuverlässiger über Verspätungen und Anschlüsse informiert. Keine leichte Aufgabe bei einem derart komplexen und hochvernetzten System.