Für eine Fahrt nach Weimar hatte ich ein Ticket hin und zurück mit Bahncard gekauft. Auf der Hinfahrt verlief alles reibungslos. Auf der Rückfahrt: beanstandete die Schaffnerin das Ticket mit den Worten: Der Fahrschein ist ungültig. Ich antwortete, daß ich dieses Ticket ordnungsgemäß gekauft hätte und mich im übrigen nicht für Fahrscheine interessiere, deshalb ganz auf die Kenntnisse des Fahrkartenverkäufers vertraue. Sie aber unterstellte mir absichtliches "Erschleichen einer ungültigen Vergünstigung", und ich müsse mich vor Antritt einer Reise selbst von der Richtigkeit des Fahrscheins überzeugen. Ich solle nachzahlen. Ich aber dachte gar nicht daran.

Das Auftreten der Frau empörte mich. Wenn man mir am Fahrkartenschalter was Falsches verkauft, ist das nicht mein Problem. Warum war dann auf der Hinfahrt alles in Ordnung? Ich beschloss, stur zu bleiben. Ich ahnte aber, daß sie nicht lockerlassen würde. Nach kurzen Zögern sagte sie, daß sie meinen Fahrschein behalten müsse und verlangte meine Personalien zu sehen, die ich ihr natürlich verweigerte. Sie konnte nicht mehr zurück, wollte Zeit gewinnen. Ich komme wieder. Nach etwa 10 Minuten kam sie zurück und wiederholte, daß sie meine Personalien aufnehmen müsse. Als ich es ihr erneut verweigerte und nun schon etwas energischer bat, endlich in Ruhe schlafen zu können, drohte sie: Dann muß ich die Polizei holen. Ich wurde allmählich, ungehalten und fragte sie, ob sie nicht auch noch was anderes zu tun hätte, als mich permanent zu belästigen.

In Halle wurde der Zug angehalten. Die Schaffnerin erschien in Begleitung zweier Polizisten, die sich vor mir aufbauten. Andere Fahrgäste drängten neugierig ins Abteil. Da ich der Aufforderung der Schaffnerin nicht nachgekommen sei, müsse ich die beiden Herren nun begleiten. Ich war sehr aufgeregt. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals, aber ich blieb sitzen. Die Polizisten sahen einander fragend an. Wollten dann von der Schaffnerin wissen, was ich denn angestellt hätte. Sie sagte nur, dieser Fahrgast muß den Zug verlassen. Man drängte mich, der Aufforderung nachzukommen, weil der Zug meinetwegen warten müsse. Als ich mich weiterhin weigerte, aufzustehen, packte man mich an den Schultern, drehte mir einen Arm auf den Rücken und führte mich ab. Einer fragte den anderen: Was ist hier eigentlich los? Als ich sagte, die Schaffnerin habe mit den Fahrschein weggenommen, wollte einer den Fahrschein sehen. Die Schaffnerin wollte ihn aber nicht herzeigen. Schulterzuckend wandten sich die Polizisten wieder mir zu und entschlossen sich, in mir einen potentiellen Verbrecher zu sehen. Ich sah mich noch einmal um. Die Schaffnerin blickte mir triumphierend und mit haßerfüllten Augen nach. Ich hatte mich wohl wie ein typischer Wessi benommen.

Ich wurde dann zu einem Polizeiwagen gezerrt, in dem ich "erkennungsdienstliche Maßnahmen" über mich ergehen lassen mußte. Erst die Namensüberprüfung: "Ich buchstabiere: Konrad Otto Nordpol ... Ich korrigiere mich: Caesar Otto Nordpol ...". Dann kam eine umständliche Befragung zum "Tathergang". Wobei meine Äußerungen in eine Sprache übersetzt wurde, die hauptsächlich aus Substantiven und unpersönlichem Passiv bestand. Mir fiel schwer, zu glauben, daß all dies wirklich geschah. Dann wurde das Protokoll telefonisch weitergeleitet zum Vorgesetzten. Man habe auf Bitten der Zugchefin einen Fahrgast festgenommen. "Dann hat der Bürger noch einen Aufstand gemacht. Daraufhin haben wir die "Sicherheit im Zug wieder herstellen müssen". Es sei nun zu ermitteln, ob der Straftatbestand einer "vorsätzlichen Leistungserschleichung" vorliege.

Nach ca 20 Minuten wurde ich entlassen. Ich mußte nun 2 Stunden auf den nächsten Zug nach Berlin warten. Mich quälte ein Gefühl der Ohnmacht. Im Zug mußte ich mit Aufschlag ein neues Ticket lösen.

Auch zu dieser Begebenheit haben wir um eine Stellungnahme der Deutschen Bahn gebeten - leider vergeblich.