Wenige Tage vor Weihnachten: Wie es seit dem 15.12. üblich ist, quillt die Schlange der "Plan&Spar"-Kunden bzw. der kollateralgeschädigten Normalzahlenden aus der Glastür des örtlichen Reisezentrums. Ich will Fahrkarten für die weihnachtliche Familienheimreise kaufen. Nachdem ich endlich an der Reihe bin, entschuldigt sich die sichtlich gestresste Bahnangestellte für ihre Fahrigkeit mehrmals bei mir. Ich sage ihr, ich hätte großes Verständnis für sie. Es seien wohl nicht nur viele Bahnkunden, sondern auch die Angestellten selbst durch die, ach, so einfach gewordenen Lummerland-Tarife und das Diktat des Computers oft ganz schön überfordert. Das bejaht sie nur zu gerne: Die Beratungszeiten hätten sich vervielfacht. Ich sage ihr, ehrlich bedauernd, dass demnächst ein Kunde weniger in der Schlange sein werde; ich würde meine alte BahnCard nicht zu den neuen Konditionen verlängern. Für mich als Wochenendpendler sind die neuen Rabatte nutzlos und meine Bahnfahrten werden erheblich teurer. Denn ich möchte weiterhin flexibel reisen, ohne dafür 50 Prozent mehr als bisher zu bezahlen. Ich will mir nicht von der Bahn vorschreiben lassen, ob ich nicht vielleicht noch einen Sonntagsspaziergang vor der Rückfahrt machen will. Wozu gibt es den wunderbaren Stundentakt? Obwohl ich höchst ungern Auto fahre, plane ich deswegen ernsthaft die Wiederanschaffung eines PKWs - den ich vor über zwei Jahren zugunsten des Bahnreisens verkauft habe und den ich eigentlich kein bisschen vermisse.

Ach, ich solle mal abwarten, meint die Dame da zu mir. Meine BahnCard zu den alten Konditionen laufe ja erst im Oktober aus. Bis dahin habe die Bahn ja noch ein bisschen Zeit. Mit einem augenzwinkernden Lächeln neigt sie sich geheimnistuerisch, fast verschwörerisch zu mir herüber: "Warten Sie mal ab: Alles wird wieder gut!"