Wir warten gemeinsam am Kölner Hauptbahnhof. Darauf, dass ein Zug kommt und mich wegbringt. Uns voneinander erlöst. Das Ende einer Liebe.

Es war das fatalste, missverständlichste, falscheste Wochenende seit es Wochenendbeziehungen gibt. Oder Monatsbeziehungen.

Ich weine gerade nicht.

Ich bin 18 und habe an der Liebe festgehalten. Ich habe ein Wochenende hinter mir; nur geweint. Im Ibis-Hotelzimmer, Köln Hauptbahnhof. Auf der anderen Seite gab es keine Tränen. Nur entnervte Blicke. Es hatte kein Abschied sein sollen, aber es wurde einer. Was ein Jahr zuvor begann, heimlich, in Hotelzimmern, romantisch, teuer, wertvoll - endete genau hier. Zu teuer. Zu heimlich. Im Hotelzimmer.

Mein einziges Bestreben: nur nicht wieder weinen. Nur nicht wieder "alles kaputtmachen", wie du sagst. Du willst zurück in dein Leben, von dem ich nie Teil war. Deine Arbeit, deine Beziehung, deine Fassade. Ich habe keine; mein Fehler. Keine Arbeit. Keine andere Beziehung. Keine Fassade.

Ich steige ein. Der IC nach Stuttgart. Zurück in die Heimat, wo man von dir nichts weiß. Wo ich nicht oft weine. Wo ich stark bin. Wo man mich versteht. Weil ich dort ich bin. Ich sehe dir nicht nach.

Ich setze mich. Eine Frau mir gegenüber. Lächeln, sympathische Augen. Breitet die ZEIT vor sich aus. Seit du weg bist, geht es mir besser. Ich werde vor Fremden auch nicht weinen. Wenn ich vor Geliebten nicht weinen darf, dann nirgends.