Fahren, lesen, lernen, reden, lachen, schlafen, träumen... jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr dasselbe. 70.200 Minuten, 1.170 Stunden, 48,75 Tage, 6,96 Wochen, ca. 1,75 Monate meines bisherigen Lebens. Zur Schule, hin und zurück.

Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, nur Bahn zu fahren. Wie viel Zeit ich insgesamt in der Bahn verbracht habe? Ich möchte es gar nicht wissen. Verspätung? Es waren Stunden, ich habe sie nie gezählt. Verdrängt hab ich sie, so wie man die Macken des Partners übersieht. Gewartet habe ich Ewigkeiten. Einmal, mitten in der Nacht, zwei Stunden, irgendwo in der Pampa. Andere Male nicht aus Selbstverschulden. Und meistens war es kalt.

Bahnfahren, es kann so schön sein oder auch traurig, wenn man schon am Bahnhof Heimweh hat. Meistens aber Fernweh, und gerade das macht Bahnfahren schön.

Bahnfahren, manchmal zum Weinen, ein anderes mal zum Lachen.

Ein Mann, der sich auffällig unauffällig die Zähne säubert. Mit einer Gabel. Wie kommt "Mann" überhaupt dazu, eine Gabel mit in die Bahn zu nehmen? Oder, eher traurig, die Frau, die immer in der S-Bahn weint.

Löcher in die Luft starren, Blickkontakt vermeiden. Und dann? Ein Lächeln. S-Bahnbekanntschaften.

Es ist immer wieder interessant, welche Gespräche sich unter den Bahnfahrern entwickeln. Sie beginnen fast alle gleich. Beschwerden über die Bahn. Und wo die Gespräche enden? Ich weiß es nicht, viel zu oft musste ich vorher aussteigen. Einige interessante Dinge werde ich wohl nie erfahren. Es ist ungefähr so, als ob man im Kino sitzt und kurz vor Ende des Films der Strom ausfällt. Grauenvoll.