Entspannt lehnte ich mich an diesem Spätsommertag in meinem Fenstersitz zurück, als der IC von Rostock Richtung Heimat losfuhr. Ich dachte melancholisch an die drei wundervollen Wochen an der Ostsee zurück. Vorbei zogen grüne Wiesen, gelbe Felder und dichte Wälder. Meine Traurigkeit wurde jedoch von dem lustigen Wortgefecht des Pärchens neben mir gestoppt. Ich konnte nicht anders, als "heimlich" zuzuhören und mitzulachen.

Ihm sah man an, dass er mit seinem wuscheligen Vollbart, der roten Knollnase im wettergegerbten Gesicht und der Seemannsmütze direkt vom Schiff kam. Sie: zierlich, graues Haar und ebensolcher Hosenanzug, jedoch mit flinkem Mundwerk, wusste ich nicht einzuordnen. Im Laufe ihres Gespräches merkte ich, dass sie sich fremd waren. Was ich angesichts der Art, wie sie miteinander kommunizierten, sehr bemerkenswert fand. Der Seemann tischte Seemannsgarn auf - von betrunkenen Möwen in Bars bis hin zum Sandsegeltörn. Die Frau stichelte ihn daraufhin lieb an und lockte ihn noch mehr aus der Reserve. Dies amüsierte alle im Abteil.

Dann fragte Arne, der Seemann, was sie denn beruflich mache und wo sie herkäme. Auf ihre Antwort reagierte er mit Sprachlosigkeit. Anita befand sich auf einer deutschlandweiten Spendenreise, um Geld für Stämme in Südafrika zu sammeln. Dort arbeite sie seit mehr als 30 Jahren als Missionarin bei einem Radiosender. Bemerkenswert. Noch nie hatte ich eine Missionarin kennen gelernt - eine so interessante und lustige schon gar nicht. Neugierig hörte ich zu, wie sie von ihrem Patenstamm erzählte. Sie beherrsche dessen Sprache, besuche die Einheimischen, um sie über das Thema "Aids" aufzuklären, für die Sendethemen zu recherchieren usw. Wie ich mir Seemann und Missionarin bildlich in ihren unterschiedlichen Welten vorstellte, musste ich schmunzeln - und tue es heute noch. Persönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich dennoch gut unterhalten. Wenn sie es nur zulassen. Und die Bahn ist der ideale Ort hierfür.

Denn wie hat es Anita so treffend ausgedrückt: Jeder Mensch sucht nach Liebe. Der, der Liebe gibt, erhält sie auch zurück. Dies beginnt schon mit einem lieben Lächeln für unser Gegenüber im IC, aus dem sich ein interessantes Gespräch entwickeln kann. Wir müssen es einfach mal zulassen.