Seit den 80er Jahren macht das Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande wieder alle Bordeaux-Fans glücklich. Der ehrwürdige Wettbewerb mit Chateau Pichon Longueville (dem "Baron") wird von der Comtesse seit einiger Zeit meist gewonnen. Beides sind elegante, opulente Pauillac-Weine, und zwar solche, die sich stilistisch an das benachbarte St. Julien (nebenan: Leoville Las Cases) anlehnen, also etwas weicher sind als der typische Pauillac-Wein. Der Merlot-Anteil ist relativ hoch (Anteil am Pflanzgut: 35 Prozent). Die Rebstöcke sind durchschnittlich 35 Jahre alt. Der Ausbau geschieht typischerweise zur Hälfte in neuen Barriques, die anderen sind dann eine Zweitbelegung. Kein Tanninüberfall also, kein Blockbusterwahn und dergleichen.

Im Lauf der Jahre kreuzte immer wieder eine Comtesse-Flasche meine Lebensbahn und es waren stets angenehme Begegnungen. Vor ein paar Tagen waren es sogar vier Flaschen.

1996: Kaffee- und Kakaonoten, etwas Kirsche, streng

1995: Konzentrierter, dichter, komplexer; etwas Pfeffer; und man glaubt es nicht: 50 Prozent Merlot

1986: Das war eine Enttäuschung. Auch die zweite Flasche, weshalb es wohl kein Flaschenfehler war. Allzu ruppig, nur die Alterssüße war angenehm. Aber vielleicht komponiert der Wein sich wieder zusammen? Soll ja vorkommen. In ein paar Jahren wieder testen!

1975: Grandios. Und lecker. Würzig, komplex, tief, kraftvoll, ein ernster Wein – mit Zukunft!

So ist das mit Bordeaux. Immer für eine Überraschung gut.