Hin und wieder sind mir schon Weine des Moselaner Weinguts Albert Kallfelz begegnet - und jedes Mal war das ein erfreuliches Zusammentreffen. Es handelt sich um einen ungewöhnlichen Erzeuger, denn er will die Tugenden des naturnahen, ganz auf Handarbeit beruhenden Steillagenweinbaus mit den Vorteilen wachsender Betriebsgröße (jetzt bereits mehr als 40 Hektar!)  und moderner Methoden des Managements und Marketings verbinden. Man sehe sich allein http://www.kallfelz.de an. Oder man bedenke den Umstand, dass dieser Betrieb keinen Naturkork mehr verwendet. Bravo! Stattdessen Kronkork mit Plastik-Einlage (hoffentlich hält das auch über Jahre und Jahrzehnte) sowie Plastikkork (da bin ich mir besonders unsicher), leider keinen Drehverschluss (richtig angebracht, ist er die verlässlichste Methode); experimentiert wird mit Glasverschlüssen. Albert Kallfelz hat seine Überzeugungen auch in einem Büchlein niedergelegt, das beim Weingut erhältlich ist und mit Kritik an dem subventionsabhängigen, auf Massenware zielenden Weinbau vieler Kollegen nicht spart.

Das Weingut besitzt beste Lagen. Seine Weine, fast alles Rieslinge, sind indes nicht unumstritten, und es wurde schon mehr als einmal geäußert, dass die Qualität unter dem Wachstum des Betriebes gelitten habe. Ich konnte mich diesem Urteil nicht anschließen, was aber auch daran liegt, dass mein Umgang mit Kallfelz'schen Rieslingen bislang nur sporadisch war. Um so interessierter habe ich mich in den vergangenen Tagen mit der 2003er Kollektion beschäftigt, was ja auch wegen des Jahrgangs spannend ist.

Dazu eine Nebenbemerkung: Galt 2003 den meisten meiner Kollegen erst als Jahrhundertjahrgang, schrieben viele von ihnen anschließend, es seien überwiegend fette, alkoholreiche, säure- und extraktarme Weine herausgekommen. Auch da war ich anderer Meinung: Im Sommer 2003 wanderte ich durch den Rheingau und musste mitansehen, was Sonnenbrand und Wasserknappheit auf Reben anrichtet. Da war mir klar: Das Jahr wird die Könner vom Mittelfeld unterscheiden. Entsprechend fielen die Ergebnisse aus. Es gab viele schöne Weine - und ebenso viele Problemfälle.

Um es gleich zu sagen: Kallfelz 2003 ist kein Problemfall. Aber ob das Weingut wirklich alles aus seinen Lagen herausgeholt hat? Mir fehlten bei einigen - nicht bei allen! - Frische und Mineralität, wie ich sie bei Moselrieslingen so liebe. Leichte Weine entstanden im Rekordhitzejahr leider auch nicht. Das gilt aber für die meisten Betriebe. Gleichwohl, die Kallfelzer sind empfehlenswert, zumal sie zu ausgesprochen vernünftigen Preisen daherkommen. Einige deutsche Riesling-Stars verlangen ganz andere Summen für eine Qualität, die mitnichten stets besser ist.

Es folgen die Bewertungen im Detail. Da Kallfelz seine Weine so ausbaut, dass die meisten schon im jungen Stadium genießbar sind, habe ich eine anstrengende, aber unfehlbare Methode verwendet: Von jedem Wein eine ganze Flasche trinken, verteilt über einen Abend mit Essen. Alles für den Leser! Und die Leserin!

2003 Kallfelz Riesling Hochgewächs QbA trocken : Aromen von exotischen Früchten, weiße Melone, Weinbergpfirsich, süffig, schöne Würze.

2003 Kallfelz Riesling Hochgewächs QbA halbtrocken : unspektakulär, etwas Thymian, sanfte Honigmelonensüße, viel Pektin - noch sehr, sehr jung.