Was ist Ihr Lieblingswein?

Das sind so Fragen. Wer denkt sich die bloß immer aus? Als Kind, ja, da konnte man sagen: Rot ist meine Lieblingsfarbe. Gestreift, das wäre schon eine frivole Antwort gewesen. Lieblingstiere gab’s damals (der Löwe), ein Lieblingsessen, die Lieblingsmami. Aber heute, da unsereins, zumindest dem äußeren Anschein nach, erwachsen ist? Lieblingswein! Dass ich nicht lache.

Genug geschimpft. Welche Weine trinken Sie besonders gerne? Aha, schon besser! Ich für meinen Teil trinke – beispielsweise – österreichische Weine sehr gerne. Gefragt, welche Weinbaunationen die schönsten Weine hervorbringen, antworte ich sogar mit einem Ranking, wie es heute üblich geworden ist. Platz eins hat Frankreich inne, Platz zwei Österreich. Dann kommt eine lange Zeit gar nichts, und dann der Rest (mit Italien beginnend). Deutschland ist außer Konkurrenz, denn seine Rieslinge sind etwas derart Spezielles, dass man das Land gerne auch auf den ersten Platz hieven könnte.

Rieslinge! Die macht uns niemand nach. Die Elsässer nicht, die aus Riesling ebenfalls etwas Eigenes machen, schon gar nicht überseeische Länder (selbst die feinen Rieslinge aus upstate New York kommen nicht heran), und noch nicht einmal die Österreicher, deren Rieslinge (sogar die besten: von Franz X. Pichler) mir immer zu sehr nach Kern schmecken.

Doch wo sie ihre Stärken ausspielen, sind die Österreicher ungeschlagen: frische Veltliner (aber auch substantielle mit Alterungspotential, etwa die "Alten Reben" von Bründlmayer aus dem Kamptal), die Süßweine von Kracher, und bei den Roten vor allem die Cuvées mit Blaufränkisch (bei uns heißt das Lemberger) und Zweigelt (Anspieltipp: Steinzeiler vom Römerhof, Burgenland). Große Namen könnte man nun aufzählen, ich will aber jemanden hervorheben, der nicht ganz so bekannt ist, weil er wohl nie ein Marketingexperte sein wird: Georg Stiegelmar aus Gols am Neusiedlersee. Seine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt, und vor allem sein Zweigelt aus der Lage "Ungerberg" sind erstens eigenständig und zweitens von einem Schmelz, der seinesgleichen sucht. Sie machen`s richtig, die Österreicher. Anstatt "Super-Toskaner" herzustellen, wie es einige ihrer italienischen Kollegen getan haben, zeigen sie das, was ihnen Natur und Geschichte mitgegeben haben, auf höchstem Niveau.

Sind das also meine Lieblingsweine, die österreichischen? I wo. Einige von ihnen gehören dazu, aber es gibt noch viel mehr, die ganze Welt ist voller Lieblingsweine. Naja, fast die ganze Welt. Es gibt ordentliche chinesische Weiße: nicht mein Fall. Südengland: ganz OK, muss aber nicht sein. Jamaica (doch, ich hab`s probiert): urgs. Alaska: Bisher unbekannt, aber der Fortschritt soll ja unaufhaltsam sein. Oder der Klimawandel. Was beides miteinander zu tun haben könnte – aber das ist ein anderes Thema.