“Wir machen keine New World Weine, sondern etwas anderes, etwas eigenes...“ – so habe ich es in Südafrika oft gehört. Aber auch die andere Botschaft, verkündet von einem Produzenten des Standardweins „Bushman’s Creek“: „Australiens Erfolg zeigt, wie es geht. Kraftvolle Aromen, über die man nicht lange nachdenken muss. Weine, die man sofort verbrauchen kann. Wer hat schon einen Keller zum Einlagern.“ Tja, das sind die beiden Wirklichkeiten in Südafrika, und man kann nur wünschen, dass sich letztlich die Tendenz zum feinen, komplexen Wein durchsetzt, der nicht wie der Mainstream dahinfließt. Diesen anspruchsvolleren Weg geht beispielsweise das Haus Veenwouden bei Paarl, das für seine bordeauxverwandten Roten berühmt ist (und dessen Weinmacher nicht umsonst bei Cheval Blanc gelernt hat). Wo immer Sie eines Weines von Veenwouden angesichtig werden: zugreifen!

Gelegentlich rückt Veenwouden aber auch ein Fläschchen seines seltenen Chardonnays heraus. Neulich durfte ich eines mittrinken und war bass erstaunt: ein strenger Wein, mit beeindruckender Säure, unmittelbar an den Clos de la Coulée de Serrant erinnernd (also ausgerechnet an den Chenin-Blanc-Star von der Loire!). Und nicht ein Anflug von jenen Bananentoffeekaffee-Aromen, die so gleichmäßig auf die meisten Chardonnays der Neuen Welt und leider auch viele der Alten verteilt sind, dass sich mittlerweile der Begriff des ABC-Trinkers durchgesetzt hat: Anything But Chardonnay. Was eine verständliche Abwehrreaktion, aber nicht durch und durch rational ist, möchte ich meinen.

Leider hat die Blockbuster-Welle auch längst das Bordelais heimgesucht. Da produziert der weltweit hochgelobte „Flying Winemaker“ Michel Rolland beispielsweise einen 2000er Chateau Mont-Pérat (Premières Cotes de Bordeaux), dessen Schokoduft, gefolgt von Kompottgeschmack, Gewürznoten und molliger Grundsubstanz alles Mögliche sein mag, nur eines nicht sein kann: Gegenstand differenzierten Genießens. Ich habe ihn testweise im (heiß empfohlenen) „La Mirabelle“ in der Bundesstrasse (Hamburg) getrunken; auch Pierre Moissonnier, der Inhaber, mochte ihn nicht. Und dann goss er einen 1996er „Rouge Tradition“ aus der mir komplett unbekannten Domaine Rolet ein, ein Wein aus der Appellation Arbois (Jura). Von dort kommt übrigens auch der sherry-ähnliche Vin Jaune her, ein Wein für Oxidationsfans. Dieser Rote wiederum, eine Cuvee aus den zwei Lokalreben Trousseau und Poulsard sowie dem ubiquitären Pinot Noir, war ebenfalls ein Sonderfall und gewisslich nicht New World. Ein heller, feinduftiger Vertreter war er, nach Salmis und roten Früchten schmeckend – und wieder ein Beweis dafür, dass nicht die globalkompatiblen Brummer, sondern die Terroirweine das wahre Weinvergnügen bereiten.