Haarige Angelegenheit – Seite 1


»Kann man heutzutage als Frau noch achselhöhlenunrasiert umherlaufen?«
Julia Grosse, StockholmBILD

Liebe Frau Grosse,

Der Mensch hat Haare am Körper, wie andere Wirbeltiere, um sich vor Kälte und Krankheiten zu schützen. Sie haben sich im Lauf der Evolution auf wenige Regionen zurückgezogen, eine davon ist die Achselhöhle. Dort sitzen besonders viele Talg- und Schweißdrüsen, die Pheromone abgeben. Das sind Duftstoffe, mit denen wir - wie einst - potenzielle Sexualpartner anlocken. Sie werden durch die Härchen in der Achsel besser verteilt und wirken also intensiver.

Nun ist das Anlocken von potenziellen Partnern nichts Schlechtes, die Sache hat aber dennoch einen Haken, denn oft werden die Duftstoffe nicht als solche wahrgenommen, sondern eher als ihr Gegenteil – vor allem in Verbindung mit Schweiß und Talg, die ebenfalls abgegeben werden.

Das ist ein Grund, warum sich so viele Frauen in Europa und Nordamerika die Achselhaare entfernen. Andererseits: Inzwischen duschen die meisten Erwachsenen täglich, und den Rest des Tages bleiben wir dank Deo-Roller trocken. Das darin enthaltene Aluminiumchlorid verschließt die Schweißkanäle effektiv.

Außerdem epilieren sich noch immer vor allem Frauen. Das bedeutet, dass die Haare nicht nur aus hygienischen Gründen entfernt werden. Es muss auch ästhetische geben. Noch vor 20 Jahren war die Achselrasur selten, heute tun es die meisten Frauen unter 40 Jahren. Inzwischen empfinden viele, vor allem Jüngere, Achselhaare, die man sieht, als unappetitlich. Und dieses Empfinden wird stärker; der Trend erfasst gerade das andere Geschlecht: Auch immer mehr Männer rasieren sich unter den Armen, vor allem die jungen.

Damit haben wir die zwei Probleme benannt, die auftreten können, wenn jetzt im Sommer in der Gartenwirtschaft am Tisch nebenan eine Frau mit schmalen Trägertop sitzt (Männer tun dies hoffentlich höchstens am Strand): Sie könnte müffeln und manchem mag der Anblick nicht gefallen.

Haarige Angelegenheit – Seite 2

Aber damit zeichnet sich auch die Lösung des Problems ab. Wenn Sie Ihre Achselhaare nicht rasieren möchten, ist das natürlich Ihr gutes Recht und im Zweifelsfall hat höchstens Ihr Partner eine Meinung zu äußern. Gehen Sie in ein Restaurant, ziehen Sie einfach eines der Sommerkleider an, das kurze Ärmel hat, so dass man die Achselhaare nicht sieht.

Übrigens: Im Islam verlangen die Reinlichkeitsvorschriften eine Rasur der Achselhaare mindestens einmal pro Monat. Das gilt für Frauen wie für Männer.

Ihre Wenke Husmann
_____________

Wir beantworten Ihre Geschmacksfragen - Woche für Woche auf ZEIT online.
Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns in Sachen Geschmack gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.