»Welche Musik legt man auf, wenn man mit einem Menschen nach Hause geht?«
fragt David Hugendick aus Hamburg

Was also legen wir auf, wenn wir "jemanden mit nach Hause nehmen"? Das ist diesmal die Frage aller Fragen, und sie lässt sich angesichts der Vielzahl denkbarer Konstellationen - ist doch so! - nicht mit einer Musikliste beantworten, sondern nur mit Kriterien. Vorausgesetzt wird den folgenden Ratschlägen zunächst (damit wir wissen, wovon die Rede ist), Sie wollen an dem Abend etwas erreichen (und wir wissen, wovon die Rede ist). Wie also soll der Raum akustisch tapeziert werden?

Zunächst: Es empfiehlt sich in der Tat, das Wohnzimmer zu beschallen. Aus dem gleichen Grund, warum in Bars Musik ertönt, sie hilft nämlich über Gesprächspausen hinweg, was zumindest für eine gewisse Phase des Abends vonnöten sein dürfte. Melodische Klänge erzeugen überdies Stimmungen. Musikpsychologen zufolge sind sie ein Sublimat der Wirkungen, die Kinder- und Hordengebrüll auf den Hormonhaushalt haben. Ob's stimmt? Gewiss ist nur dies: Beim Wohnzimmer sollten Sie es belassen, denn was zu viel ist, ist zu viel.

Nur - welche Musik? Bestimmt keine aus dem Radio, wegen der ablenkenden Wortbeiträge, der bekloppten Reklame sowie der Qualität des Gedudels. Ansonsten gilt, dass die Lala freundlich sei und nicht anstrengend, aber Vorsicht: Vermeiden Sie alles Seichte, Ohrwürmer sowie Schunkelmusik.

Fröhliche Melodien gehen in Ordnung, aber die Instrumentierung darf nicht schrill klingen. Mit bass- und keybordlastigem Mainstreamfunk liegen Sie immer richtig, um es mal so auszudrücken. Verzichten Sie aber auf zu dick aufgetragene Erotik, meiden Sie beispielsweise das brünstige Gegrummel von Barry White. Das geht gar nicht, ebenso wenig wie Jane Birkins Stöhnen. Klingt durchaus fein, ist aber eher etwas für einsame Stunden. Nein, weder darf die Absicht offenkundig sein, noch sollte es zu ungewollten, gar irreführenden Anspielungen kommen ( "I need a slave" von den Vibrators zum Beispiel).

Träumerisch, romantisch - ja ja, noch so eine Falle. Ist es schon spät, dann droht die große Gähnforschung: Es gibt noch einen Espresso, und tschüs.

Ihre Musikauswahl verrät überdies, das ist das weitere Problem, nicht nur etwas über Ihre Absichten, sondern auch über Ihre Persönlichkeit. Insofern ist Konsensmusik durchaus vertrackt, Sie wollen ja jemand Besonderes sein. Zwischen ihrer Vorliebe für Free Jazz, Penderecki oder Punk und dem Jedermannsgedudel müssen Sie ebenjenen richtigen Punkt treffen, auf den es ankommt. Wie im richtigen Leben. Und in dem hilft nur eines, nämlich Erfahrungen zu sammeln.