Mein Neffe Niklas, 8, ist bekennender Fan dieser grellbunten Plastikautos, die sich in Monster verwandeln und bei Kontakt mit Wasser auch noch die Farbe wechseln. Zugegeben, ich selbst habe ihm so ein Auto zum Geburtstag geschenkt. Dazu gab es aber noch ein kreativitätsförderndes (Knetgummi) und ein nützliches (Kassettenkoffer) Geschenk. Das Knetgummi war ziemlich schnell verbraucht, weil Niklas kleine Bälle daraus geformt und diese in den Garten geworfen hat; der Kassettenkoffer ist als Spielzeug untauglich. Blieb also das Monsterauto.

Und ich begann mich zu fragen, was wir eigentlich in seinem Alter - also vor etwa 25 Jahren - gespielt haben. Bunte Plastikfiguren gab es natürlich auch schon: Barbie-Puppen, Schlümpfe, Playmobil. Nur dass sie nicht zu Monstern mutierten. Außerdem waren wir geradezu süchtig nach Memory, für das wir eigene, sehr stimmungsförderliche Spielregeln entwarfen. Karten, die nicht zueinander passten, wurden beispielsweise offen liegen gelassen und nicht wieder umgedreht. So hatten wir schnelle Erfolgserlebnisse und konnten alle paar Minuten eine neue Partie beginnen. Inzwischen heißt dieser Spiele-Evergreen "Classic Memory". Farben und Motive der Spielkarten wurden modernisiert und erinnern - im Gegensatz zur 70er-Jahre-Edition mit der Orange auf zartlila-farbenem Hintergrund - nicht mehr an Omas Hauskittel.

Neulich war Niklas bei mir zu Besuch und wir suchten etwas, um uns den regnerischen Nachmittag zu vertreiben. Niklas hatte Micky-Maus-Hefte und eine seiner Monsterfiguren anzubieten, sah jedoch ein, dass man sich damit zu zweit nicht lange amüsieren kann. Eine kreative Idee musste schleunigst her. Ich überlegte und erinnerte mich an eintönige Schulstunden, die wir manchmal nur dank "Schiffe versenken" überstanden. Das mit den Schulstunden behielt ich natürlich für mich, aber "Schiffe versenken" klang auch für Niklas nach einem spannenden Spiel. Nachdem er die Regeln kapiert hatte, legten wir auf kariertem Papier große Felder an, auf denen wir mehrere "Schiffe" versteckten. Niklas freute sich einerseits diebisch, wenn seine gegnerische Tante an einem seiner Schiffe vorbeitraf, noch mehr aber, wenn er "versenkt!" brüllen konnte. So spielten wir mehrere Stunden, ohne dass einem von uns langweilig wurde.

Von diesem Erfolg angestachelt, bin ich nun auf der Suche nach weiteren Spielen dieser Art. Einzige Bedingung: Sie müssen auch zu zweit Spaß machen, und die Zutaten sollten vorhanden oder schnell zu beschaffen sein. Zum Glück haben etliche Leidensgenossen Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, von denen im Anhang einige aufgelistet sind. Ganze Sammlungen von altbekannten und neuen Spielen, die auf die Umgebung, das Wetter, den Anlass und das Alter des Kindes abgestimmt sind, bieten farbenfroh illustrierte Anregungen. Auf dass noch viele Plastikmonster-freie Nachmittage folgen!

Buchtipps:

Art Attack. Das total verrückte Bastelbuch
Dorling Kindersley Verlag, Starnberg 2002, 64 S., 10,50 Euro
Das Buch zur Disney-Fernsehsendung "Art Attack". Mit genauen Schritt-für-Schritt-Anleitungen in Wort und Bild gelingen die Farbtubenmännchen, Luftballoninsekten, Gruselkobolde, Knitterkunstwerke oder Lichterstädte.
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Henriette Bunne, Annette Overkamp: Drinnen spielen. 111 Ideen für verregnete Tage mit Kindern
Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2002, 105 S., 7,90 Euro
Dieses Buch regt durch Rollen- und Verkleidungsspiele die Phantasie an. Geschicklichkeits- und Bastelspiele, Denksportaufgaben und sozialverträgliches Toben machen aus einem Regen-Nachmittag ein Abenteuer.
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