Oscar de la Renta gilt als Meister der opulenten Abendrobe, kaum zu Unrecht. In seiner Kollektion für das Frühjahr 2006 zeigte er beispielsweise ein pinkfarbenes Bustierkleid aus festem Taft, drei-viertellang mit zwei gerüschten Röcken, oder ein lindgrünes Seidentop, das ab der Chiffonschleife in der Taille zum Kleid wird und in mehreren Lagen lang auf den Boden fällt. Etwa die Hälfte der Entwürfe, die der Modemacher auf der New Yorker Fashion Week zeigt, ist gewöhnlich der Abendmode vorbehalten - vom Cocktailkleid bis zur großen Robe. Der Rest ist für den Tag gedacht und dennoch nicht weniger üppig. Da sind metallische Brokate, bestickter Kaschmir, Lammfelle, Chinchilla-Mäntel, Pelzbesetztes. De la Renta, heißt es, sei der Designer der Ladies Who Lunch . Er kleidete Lady Di, Liza Minelli, Joan Collins und Jackie Onassis. Und von Nancy Reagan bis Laura Bush ist Oscar de la Renta zugleich der Couturier der Präsidentengattinnen. "Bloß kein Schwarz!", soll er Hillary Clinton geraten haben. In Pastelltönen wirke sie lebensfroher. Kaum ein Porträt über Oscar de la Renta kommt ohne die Schilderung seines Charmes, seines Kavaliertums der alten Schule und seiner Lust am Apercu aus. Der Vanity Fair beantwortete er die Frage nach seiner größten Extravaganz schneidig kurz mit: "Zu leben". Bedrucktes T-Shirt zum pailletenbesetzen Rock? Das kann auch gut aussehen© dpa

1932 in Santo Domingo auf Hispaniola geboren, ging Oscar de la Renta mit 18 Jahren nach Madrid, um dort Malerei zu studieren. Seinen beeindruckenden Skizzen verdankt er, dass er stattdessen zur Mode kam. Der spanische Couturier Cristóbal Balenciaga engagierte ihn als Assistenten. Balenciaga gilt als Architekt der Mode, dessen Entwürfe aus den sechziger Jahren die aktuelle Mode prägen wie wenige andere - höher hätte de la Renta kaum einsteigen können. Später zog der Modemacher nach Paris, um für Lanvin zu arbeiten, 1963 schließlich nach New York mit Empfehlungsschreiben an John Fairchild, den Herausgeber der Women’s Wear Daily und an Diana Vreeland, die Chefredakteurin der Vogue . Die riet ihm, vor der Gründung eines eigenen Labels im Couturesalon von Elisabeth Arden anzufangen. Das tat er und gründete später, 1965, sein eigenes Modehaus. Über seine eigene Mode sagt er: "In meinen Entwürfen geht es um Farbe. Die Liebe zur Farbe, manchmal sogar zu schreienden Farben, gehört zu meinen Wurzeln". Er ist davon überzeugt, dass in seinen Entwürfen eine amerikanische Art, Mode zu machen, aufscheint: Sie habe diese gewisse Frische, die ein Haute-Couture-Kleid zu einem umstandslos tragbaren Stück mache. Für de la Renta gilt, dass man in einem "kleinen Sweater, wunderbar geschnittenen Hosen, großartigen Schuhen und einer fantastischen Tasche" durchaus chic aussehen kann. Vorausgesetzt die Farben stimmen. Und die Ornamentik.

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