Von den ersten Tagen dieses Wettbewerbs an gehörte es zu dessen Eigentümlichkeiten, dass Außenseiter stets eine Chance hatten, zu siegen. Immer wieder haben im Laufe der Jahre Weingüter den Sprung aufs Siegertreppchen und damit ins Rampenlicht der Weinöffentlichkeit geschafft, die zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannt waren. Grund: die absolut verdeckte Prüfung der Weine, bei der die Juroren nicht einmal das Gebiet kennen, aus dem die Weine kommen. Es gibt also keinen Baden-Bonus oder eine Favoritenrolle für die roten Klassiker aus dem Rheingau oder von der Ahr.

In diesem Fall ist der Überraschungssieger das Weingut von Winzermeister Günter Schmidt in Windesheim an der Nahe. Dieser Betrieb hat keine eigene Website. Es gibt keine Bewertung im Weinguide von Gault Millau, nur eine Erwähnung im Kleingedruckten unter "ferner liefen". Nur einmal machte das Weingut von sich reden, als es in der Wahl zum Kammerwein des Jahres 2005 (IHK Koblenz) den ersten Platz in der Sparte der Weißburgunder belegte.

Zur Teilnahme beim diesjährigen Spätburgunderpreis gelangte der Nobody von der Nahe erst in allerletzter Minute, empfohlen von einem ortsansässigen Kollegen, der Mangels eines geeigneten eigenen Weines nicht selbst mitmachen konnte, aber der Meinung war, Windesheim müsse stärker als bisher vertreten sein. Und siehe da: Von den Top 10 der Regionalverkostung stammen gleich vier aus diesem Dorf. Es sind die Betriebe Sinss und Lindenhof auf den Plätzen 3 und 5, die sich 2002 schon einmal einen viel beachteten fünften Rang in der Bundeswertung teilten. Außerdem schaffte Werner Marx den Sprung auf Platz sechs.

Irgendetwas muss also dran sein an Windesheim. Der Flecken gehört politisch zur Verbandsgemeinde Langenlonsheim. Was den Weinanbau betrifft, liegt er in der äußersten Nordostecke des Gebietes. Begrenzt wird die kleine Subregion durch die Nahe, den nur wenige Kilometer entfernten Rhein sowie die Ausläufer des Hunsrück. Dort befindet sich, in der Nähe der ersten schattigen Hügel des Schinderhannes-Waldes, auch der Schlossgarten von Schweppenhausen, auf dem der Wein gewachsen ist. Es ist einer der nördlichsten Weingärten des Anbaugebietes, ausgestattet mit Verwitterungsböden aus rheinischem Schiefer. Eigentlich also prädestiniert für Riesling. Aber unter diesen Bedingungen fühlt sich auch der Spätburgunder wohl.