ZEIT ONLINE: Ist man als Spielzeugdesignerin auch eine Art Lehrerin?

Karin Schmidt-Ruhland: Zumindest interessieren sich einige meiner Studenten für diese Bereiche. Wir unterrichten an der Hochschule nicht Pädagogik oder Didaktik, laden aber immer wieder Fachleute aus diesen Gebieten ein. Wir sind vor allem Designer, und Design ist ohnehin ein interdisziplinärer Bereich. Das gilt nicht nur für Spielzeugdesign. Man muss sich als Designer mit der Wirklichkeit beschäftigen, mit Alltag. Wir beschäftigen uns eben mit Kindern - was sie wollen und nicht wollen, wie sie sind, was sie brauchen.

ZEIT ONLINE: Gilt also auch bei Kinderspielzeug der Grundsatz des modernen Entwerfens "Form follows function"?

 

Schmidt-Ruhland: Ich lege Wert darauf, dass Design auf den Nutzer bezogen ist. Ich wundere mich, wie viel Design es gibt, das überhaupt nicht den Nutzer im Blick hat. Deshalb versuchen wir, das Kind von Anfang an einzubeziehen. Wir geben Kindern nicht nur Prototypen unseres Spielzeugs in die Hand, um zu sehen, wie sie damit umgehen. Wir besuchen auch Kindergärten, sehen den Kindern beim Spielen zu und machen Fotos.

ZEIT ONLINE: Eine ungewöhnliche Arbeitsweise für Design-Studenten.


Schmidt-Ruhland: Ich möchte meinen Studenten beibringen, was es heißt, die Dinge noch mal ganz neu zu sehen, aus einer anderen Perspektive. Eine Übung besteht darin, Variationen eines Spielzeugklassikers zu entwerfen. Da kommen oft ganz wunderbare Sachen heraus. Zum Beispiel ein Schaukelpferd: Eine Studentin hat einen Klotz aus geschichtetem Schaumstoff angefertigt, bei dem eine Seite so weich ist, dass man einsinkt und herunterfällt, wenn man sich darauf setzt. Das sieht man aber vorher nicht. Für die Kinder ist das ein Riesenspaß, wie Hoppe-Hoppe-Reiter spielen. Für Erwachsene übrigens auch, wie wir auf der Möbelmesse in Mailand beobachtet haben.

ZEIT ONLINE: Was machen Ihre Studenten, wenn sie ihren Master in Spiel- und Lernmitteldesign haben. Entlassen Sie sie in die grelle Barbie-Welt der Spielzeugindustrie?

Schmidt-Ruhland: Viele arbeiten nach dem Studium als Spielzeugdesigner in großen Unternehmen, manche freiberuflich. Ich selbst habe mich als Kind überhaupt nicht für Barbie interessiert. Aber ich war auch verwöhnt, weil mein Vater Tischler war und mir und meinen Schwestern ganze Puppenhäuser gezimmert hat. Natürlich denke ich manchmal, dass Kinder heute zu viel Dinge haben, genau wie Erwachsene auch. Meine Nichte hat bald Geburtstag, und ich zerbreche mir den Kopf, was ich ihr schenken soll. Sie hat schon so viel.