ZEIT ONLINE: Frau Widmayr, in ihrem Buch Kinder und Gärten geben Sie Eltern Tipps, wie sie ihren Nachwuchs für Gartenarbeit begeistern können. Was hat Sie an dem Thema interessiert?

Christiane Widmayr: 
Früher ließ man seine Kinder einfach raus in die Natur und sah sie einen halben Tag lang nicht. Aber das ist heute kaum mehr möglich. Für viele Kinder ist der Garten deshalb der einzige Ort, an dem ihre Eltern sie unbesorgt spielen lassen und in dem sie noch Abenteuer erleben können. Ich wollte Eltern ein paar anschauliche Beispiele und Tricks mitgeben, die nicht aufwendig sind, wenig kosten und Kinder trotzdem für die Natur begeistern.

ZEIT ONLINE: Verraten Sie uns ein paar von Ihren Tricks.

Widmayr: Zum Beispiel "Der Garten für die Sinne". Kinder möchten alles sinnlich erfahren: sie möchten Pflanzen anfassen, riechen und schmecken. Dieser Garten spricht alle Sinne an: er ist kreisrund und besteht aus vier Beeten, die wie Tortenstücke angelegt und mit großen runden Kieseln eingefasst sind. Ein Beet enthält duftende Blumen und Kräuter für Schnuppernasen – etwa Lavendel, Zitronenmelisse oder Schokoladenblümchen. Vom zweiten Beet darf genascht werden: dort gedeihen Radieschen, Karotten, Erdbeeren, Zuckermais und Zuckererbsen. Das dritte Beet erfreut das Auge – mit vielen bunten Blumen und kleinen Windrädern, die zusätzlich noch Bewegung ins Spiel bringen. Auf dem vierten Beet wachsen sogenannte Schmeichelpflanzen, wie das Hasenschwanz-Gras, das sich genau so puschelig anfühlt wie sein Name verspricht. Für den Hörsinn kann man kleine Windspiele aufstellen und raschelnde Gräser einpflanzen. In der Mitte des Gärtchens hätte noch ein flaches Wasserbecken Platz, indem beispielsweise ein Froschkönig als Wasserspeier sitzt.

ZEIT ONLINE: Ab welchem Alter kann man gemeinsam mit Kindern gärtnern?

Widmayr: Dafür gibt es kein festes Alter. Jeder, der einen Garten hat, wird sehen, dass sich Kinder gerne und viel darin aufhalten. Man kann schon früh gemeinsam mit dem Kind die Natur erfahrbar machen und beispielsweise kleine Pflanzen kaufen und sie gemeinsam eingraben. Es bietet sich auf jeden Fall an, für das Kind ein kleines Beet anzulegen. Wichtig ist, dass es nicht nach Arbeit aussieht und man die Kinder nicht überfordert.

ZEIT ONLINE: Was sollte man denn in einem Kinder-Beet anpflanzen?

Widmayr: Etwas, das schnell wächst! Kinder wollen rasch Erfolge sehen und nicht lange auf ein Ergebnis warten müssen. Am besten ist natürlich etwas, das sie essen dürfen, wie zum Beispiel Radieschen oder Erdbeeren. Es ist wichtig für Kinder, zu sehen, dass nicht alles aus dem Supermarkt kommt, sondern Gemüse und Obst auch im eigenen Garten wachsen kann. Und dass es vor allem anders schmeckt – nämlicher frischer. Wenn es auf dem eigenen Beet gewachsen ist, dann lieben Kinder plötzlich auch Gemüse, bei dem sie sonst die Nase rümpfen.
Aber auch Pflanzen, die einfach nur schön aussehen oder toll duften, wie beispielsweise Lavendel oder Sonnenblumen, können Kinder begeistern. Wenn sie merken, dass aus einem kleinen Samen eine große Blume geworden ist – und zwar allein aufgrund ihrer Fürsorge.

ZEIT ONLINE: Wie kann man Kinder animieren, regelmäßig zu gießen und sich um ihren Garten zu kümmern?

Widmayr: Tja, das ist so eine Sache. Kleine Kinder schaffen das gar nicht – sie können sich einfach noch nicht so lange auf eine Sache konzentrieren. Deshalb muss der gärtnerische Erfolg schnell kommen, quasi mit Ruckzuck-Pflanzen. Die Eltern sollten immer mal wieder unauffällig rettend eingreifen – schnell mal ein wenig Unkraut zupfen, oder ein schlappes Pflänzchen gießen, um frustrierende Misserfolge zu vermeiden. Um ein Beet ausdauernd zu betreuen, müssen Kinder schon zehn, zwölf Jahre alt sein.