Diese Hüpfburg sieht aus, als hätte man sie aus einem Marshmallowfelsen gehauen. Weiß, wabbelig und wuchtig. Frühe Träume vom Rückwärtssalto mit anderthalb Schrauben werden wieder wach beim ersten Anblick des White Bouncy Castle .

Dreißig mal elf Meter groß ist das Hüpfschloss, das nun für vier Wochen in den Hamburger Deichtorhallen steht. Der Choreograph William Forsythe hat das White Bouncy Castle 1997 entworfen, seitdem wurde darauf unter anderem schon in einem Londoner und in einem Frankfurter Museum gehüpft.

Hüpfen als Metapher unseres Daseins? Kaum ist man oben, geht es schon wieder runter? Kontrolle ist nur scheinbar? Forsythe drückt es natürlich anders aus: "Das White Bouncy Castle überführt die unterschiedlichsten Zustände körperlich-räumlicher Organisation, mit der die Choreografie zu tun hat, in eine Eigenständigkeit, die keiner dirigierenden Einflussnahme mehr bedarf." Dirigierende Einflussnahme wäre allerdings für einen Rückwärtssalto gar nicht schlecht – da heißt es probehüpfen.

Die Hüpfordnung schreibt vor, dass Schuhe, Uhren und anderes irdisches Zeug in Schließfächer gepackt werden müssen. Sodann muss man einen "Coin" erstehen und warten, bis die Hüpfleitung die Farbe der Münze aufruft. Mehr als 30 Leute dürfen nämlich nicht gleichzeitig in die Burg.

Die Kinder in der Warteschlange (es sind die meisten) rutschen schon motiviert auf Strumpfhosen über das Linoleum. Bedrohlich lauter werdendes Streichergeschrummel dröhnt über den Zinnen und Türmen der Hüpfburg. Es soll ja doch eine Installation sein. Ist sie für Migränepatienten überhaupt geeignet? Und was machen eigentlich die Leute mit den Bandscheibenvorfällen in der Schlange, die ganzen Papas?

Gelb ist dran. Wir stürmen über die Plastikzugbrücke ins Schloss. Erste Erkenntnis: Die Hüpfburg ist einer der großen Gleichmacher der Menschheit. Vom Kleinkind bis zum Rentner kippt hier alles um beim Versuch, die 30 Meter vom Eingang zum Ausgang sprintend zurückzulegen. Nur das Sicherheits-Duo mit Headset lehnt sicher an der Burgwand und liefert sich zum Spaß einen Kung-Fu-Kampf.

Nach ein paar Minuten Hüpfen ist alles wie immer: Die Saltos machen nur die anderen Kinder. Man selbst ist zu Boden gegangen und sieht einem Säugling an der Schwelle zum Kleinkind zu, der auf dem Bauch liegend bounct , weil alle um ihn herum so heftig springen. Die Hüpfenden sind in einem Zustand schweißtreibender Glückseligkeit mit Tendenz zur Verzückung, wenn sie den Absprung richtig treffen. Allerdings ist Hüpfen im White Bouncy Castle doch keine Metapher auf unser Dasein. Das Hinfallen tut ja nicht weh.