Solange die Hortensien noch schweigen, legt der Rhododendron schon mal vor. Absolute Prachtbeblühung des westlichen Rheinufers in Koblenz ist angesagt. Rhododendron als Busch, als Baum als Hecke, weiß-rosa-pink-rot. Auf dem Weg zum deutschen Eck muss man auf der Bundesgartenschau die Rhododendron-Parade abnehmen. Sie ist des Farbenrausches erster Teil.

Diese ganze Veranstaltung mit dem unfassbar bundesrepublikanischen Namen ist ein solcher Rausch – alles andere wäre bei 600.000 verpflanzten Blumenzwiebeln auch seltsam. "Koblenz verwandelt", so lautet der Slogan der Buga 2011 und das ist natürlich doppeldeutig: Die Stadt ist schon verwandelt und wird Gleiches mit dem Besucher tun. Zumindest das mit der Stadt glaubt man sofort. Koblenz nichtssagender Verwaltungsort am Treffpunkt zweier Flüsse ist überhaupt nicht wiederzuerkennen. Vor dem klassizistischen Kurfürstlichen Schoss, dem Haupteingang zur Gartenschau, blüht ein bunter Tulpenteppich unter zartblauem Himmel, dass einem vor so viel Fruchtbarkeit schon schwindlig wird. Wie sprach Heinrich Heine? "Ich wandle unter Blumen / Und blühe selber mit."

Im Schlossgarten dann, am Rheinufer, zeigt sich noch der ordnende Geist Peter Joseph Lennés, des preußischen Landschaftsarchitekten. Seine Pläne hat man für die Neubepflanzung konsultiert; jetzt stehen Eibenhecken ordentlich zwischen Vestibül und Rhein.

Die Ordnung oder scheinbare Nichtordnung im Garten entsprach in früheren Zeiten dem jeweiligen Menschen- und Herrschaftsverständnis. Die französischen Gärten des Barock zeugen vom Unterwerfungswillen der absolutistischen Herrscher. Eine symmetrische Geometrie ohne Schnörkel und Unregelmäßigkeiten wollte man sehen, der Sonnenkönig musste auch der Heckenkönig sein. Entspannter ging es im englischen Landschaftsgarten zu: Die Natur sollte möglichst natürlich installiert werden – der Gedanke an Künstlichkeit gar nicht erst aufkommen.

Man könnte sich am Koblenzer Rheinufer der Romantik der verschlungenen Pfade hingeben. Leider sind einfach zu viele Leute da.

Der Romantik der verschlungenen Pfade, des Blumenbrechens gar, könnte man sich auch am Koblenzer Rheinufer hingeben. Leider sind einfach zu viele Leute da, Fehler im System.

Wie gesagt, der Rhododendron blüht, während aus seltsamen Erdhaufen blubbernde Geräusche dringen. Eine nähere Inspizierung verwirrt nur weiter, bis eine Tafel wie selbstverständlich darauf hinweist, dass es sich hier um eine 24-kanalige Klanginstallation handelt. Kommen die Spatzen auch vom Band?

Auch eine Gartenschau kann Event-Charakter haben. Ein Event erkennt man ja häufig daran, dass überall Fressbuden stehen. So auch hier. Es ist jedoch tatsächlich besser, die letzten Meter zum Deutschen Eck essend zurückzulegen, sonst haut es einen am Ende des Weges, wo die Mosel in den Rhein fließt, mit nüchternem Magen um.