"Zuckermais, dicke Bohnen, davon sieht man jetzt noch nichts, Spinat, nochmal Spinat, Hokkaido, also Kürbisse, dann Radieschen." Benjamin Gericke steht vor der ein Hektar großen Anbaufläche in Berlin-Rudow und erklärt, welche Pflanzen dort gerade sprießen. Knapp 100 Menschen stehen andächtig um den Landwirt herum und hören zu.

Einmal Gemüse aus eigenem Anbau zu ernten scheint für den modernen Städter das höchste der Gefühle zu sein. Auf den Balkonen ranken Tomaten und Zucchini, doch für den Kartoffelanbau fehlt schlicht der Platz. Und auch das Know-how. Hier kommt das Unternehmen Meine Ernte ins Spiel. Deutschlandweit vermietet die Bonner Firma Gemüsegärten auf Höfen und Gärtnereien am Stadtrand, die von erfahrenen Gärtnern wie Gericke angelegt worden sind. Die Samen und Setzlinge sind schon im Boden, die Städter müssen nur einmal die Woche für ein bis zwei Stunden vorbeikommen, Unkraut jäten und gießen.

Doch selbst hier kann einiges schief gehen. Wanda Ganders vom Meine Ernte-Team hat sich neben den zwei Meter großen Landwirt auf einen Bottich gestellt und versucht, die Menschenmenge mit ihrer Warnung zu erreichen: "Bitte jäten Sie regelmäßig das Unkraut im Garten. So lange es noch klein ist, geht es total schnell mit der Hacke, dann sind Sie in 15 Minuten durch. Aber wenn Sie erstmal warten, bis das Unkraut hoch steht, werden Sie wirklich stöhnen und keuchen vor Arbeit." Es wird zustimmend genickt.

Ganders hat Meine Ernte vor knapp zwei Jahren zusammen mit einer Freundin gegründet. Es gibt ein Onlineforum , in dem sich die Gärtnereleven austauschen können. Und eine Gärtnersprechstunde, falls der Salat eingeht. Außerdem steht in allen Gärten ein kleines Häuschen mit Gießkannen und Gartengerät.

Apropos Gartengerät, auch da geht man lieber auf Nummer sicher. Wanders und Gericke erklären vorsichtshalber mal, was eine Hacke ist. "Die haben wir extra noch vorgeschärft, damit sie wirklich zackzack das Unkraut erledigen."

Wieder nickt die Menge. Es ist rührend, wie aufmerksam manche zuschauen und zuhören. Ganders kennt ihre übereifrigen Gärtnereleven und ist sich nicht zu schade, noch die einfachsten Tipps zu geben. Letztes Jahr hätte zum Beispiel jemand im Regen die Pflanzen gegossen, sagt sie. Es gilt also: "Gießen Sie nicht, wenn es regnet."

179 Euro kostet eine 45 Quadratmeter große Parzelle, 329 Euro die Familienversion mit 85 Quadratmetern. Auf dem Acker wurde in langen Reihen Gemüse gepflanzt, horizontale Trampelpfade trennen die Gärten voneinander. Die meisten haben ihre Gärten im Internet gebucht und dabei gleich einen Namen eingegeben. Der markiert nun auf zwei kleinen Bambusstöckchen Anfang und Ende der Parzellen.