Die Städte der Zukunft müssen wieder denen gehören, für die sie gebaut wurden: den Fußgängern. Die Gegner der Verkehrsberuhigung behaupten zwar, dadurch würden die Städte veröden. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Auf meinen Italienreisen habe ich es stets genossen, dem bunten Treiben der Spaziergänger auf den Piazzas zuzusehen.

Heute muss ich dafür nicht mehr so weit fahren – in der fast komplett autofreien Innenstadt von Regensburg hat sich viel getan. In den unzähligen Cafés und Bars ist an einem lauen Abend kaum ein Platz zu bekommen. Mittlerweile reisen die Italiener dort hin, um die Atmosphäre zu genießen.

Regensburg ist eine Kleinstadt, da fällt Verkehrsberuhigung vermutlich leicht. Meine Heimatstadt München tut sich damit schwerer. Schöne Plätze, die zum Verweilen einladen, sind selten. Oft dienen sie nur als schöne Kulisse.

Trauriges Beispiel ist der Max-Joseph-Platz vor der Oper , der wegen der Zufahrt zu einer Tiefgarage von Autos befahren wird, obwohl er eigentlich in einer verkehrsberuhigten Zone liegt. Cafés sind dort Fehlanzeige. So läuft man einmal um das Denkmal für König Max I. Joseph, betrachtet die schönen Fassaden – und geht wieder. Von Stadtleben keine Spur. Und das mitten im Zentrum einer der beliebtesten Großstädte Deutschlands!

Neben der Verkehrsberuhigung liegt mir viel an vernünftigen Baumaßnahmen. In einer reichen Stadt wie München treiben sich viele Immobilienspekulanten herum. Doch die Bürger wehren sich gegen ihre Profitgier. In meinem Stadtviertel erreichte eine Bürgerinitiative durch eine Unterschriftensammlung und Publicity-Aktionen, dass eine hundert Jahre alte Fabrik, in der ein Zentrum für Künstler und Kreative untergebracht ist, unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dank des Engagements einiger Bürger konnte auch ein völlig marodes Wasserpumpenhaus gerettet werden, dessen Historie fast vergessen war: Von dort aus wurden einst die Dampflokomotiven am nahegelegenen Bahnhof mit weichem Flusswasser versorgt, weil das Münchner Trinkwasser zu hart war.

Ich möchte eine Stadt, in der die Bürger sich engagieren. Deshalb fand ich es auch gut, dass die Münchner gegen die dritte Startbahn gestimmt haben. Sie haben dadurch ein Zeichen gesetzt: Schluss mit unsinnigen Großprojekten, die Milliarden verschlingen. Und wenn schon Großprojekte, dann bitte solche, die die Lebensqualität der Stadt nicht verschlechtern, sondern verbessern.

Ein positives Beispiel: Die Isar , schon immer ein Refugium für Angler, Hundespaziergänger, Sonnenanbeter und abgehärtete Schwimmer (Eiswasser!), wurde erst kürzlich aufwändig renaturiert . Das Wasser schlängelt sich nun wieder türkisgrün dahin und auf den breiten Kiesbänken vergisst man schneller denn je, mitten in einer Großstadt zu sein. Hier kann jeder hinkommen, die Bewohner der gentrifizierten Viertel genauso wie die türkische Großfamilie. Auch wenn sich die Anwohner gelegentlich über laute Grillpartys beschweren, geht es in der Regel friedlich zu.

Gelassenes Miteinander – auch das wünsche ich mir für die Stadt von morgen. Der Umgangston in München ist zum Glück freundlicher geworden, den Münchner Grant höre ich seltener. Und niemand, den ich kenne, vermisst ihn.