Modeschauen für die Damenwelt sollen heute nicht mehr nur die Antwort auf die Frage geben, was sie in der nächsten Saison anziehen soll. Es geht immer ums Ganze: Wie soll die Frau sein? Wie soll sie leben, fühlen, lieben?

Auf den Mailänder Modeschauen zum kommenden Herbst und Winter gab es darauf interessante Antworten. Wer es geschafft hatte, sich in das Zelt hinein zu kämpfen, in dem die Schau von Roberto Cavalli gezeigt wurde, stand vor einem großen Bassin, in das Wasser vom Zeltdach herab plätscherte. Der Laufsteg führte um diesen Zimmerbrunnen herum.

Drängt sich die Frage auf: Soll die Frau im kommenden Herbst sein wie der Regen, der ihr auf das Haupt plätschert? Soll sie quasi eins sein mit den Elementen, die sie umgeben? Als die Show dann losging, wurde deutlich: Nein, sie sollte lieber wie das Feuer sein. Das loderte jedenfalls am Beckenrand auf. Und die Models schritten um diesen Feuerring herum, während aus den Lautsprechern Techno-Beats polterten. Flammenmuster züngelten auf bodenlangen Kleidern, zu denen man, so die Vision des Designers, am besten viel bunt gefärbten Pelz trägt.

Drohnen über dem Laufsteg

Eine Marke, die viel eher für Pelzverarbeitung bekannt ist, präsentierte sich dezenter: Bei Fendi zeigte Karl Lagerfeld eine poetische Kollektion mit gesprenkelten Kleidern, verziert mit Orchideen-Applikationen. Eine eher unpoetische Note gaben der Show ferngesteuerte Drohnen, die während des Defilees hoch über dem Laufsteg schwirrten. Karl Lagerfeld trat übrigens zwei Mal auf: Einmal zeigte er sich dem begeisterten Publikum nach dem Finale, ein anderes Mal wurde er als kleines Püppchen an spitzen Fingern eines Models über den Laufsteg getragen.

Ein anderer bekannter Designer trat hingegen gar nicht auf. Die Marke Jil Sander zeigte die erste Frauenmodenschau ohne Jil Sander, nachdem die Designerin das Label kurz nach der Präsentation der Sommerkollektion 2014 verlassen hatte. Das von ihr geprägte Designteam hatte die Lektionen der Meisterin allerdings ganz gut verinnerlicht. Auf dem Laufsteg waren Jersey-Stoffe in sehr leichten Farbtönen zu sehen: Graugrün, Graurosé, Grauflieder. Mäntel die unten schmal wie Bleistiftröcke zuliefen und zum Rücken hin voluminös wurden, glockenförmige Röcke, deren Nähte diagonal verliefen und deshalb den Eindruck erweckten, als würden sie beim Gehen um die Beine der Frau herumtanzen.

Ob es bald einen neuen Designer gibt, wollte man bei Jil Sander noch nicht sagen. Es wäre der Marke zu wünschen. Sonst haben Frauen, die ihren Lebensmittelpunkt im Büro und nicht auf Cocktailempfängen sehen, bald weniger anzuziehen.