Die Häuser sind frisch gestrichen, Grünflächen mit Bäumchen und Sträuchern bepflanzt. Bunte Graffitis leuchten von den Mauern Mabonengs. Das Johannesburger Viertel umfasst nur wenige Hundert Quadratmeter. Junge Männer und Frauen aller Hautfarben schlendern gemütlich umher, gehen shoppen oder trinken einen Latte Macchiato. Man wähnt sich in einem hippen Teil Londons oder New Yorks und befindet sich doch mitten in einer der gefährlichsten Städte der Welt.

"Ich liebe Maboneng", sagt Fikile Zulu-Phala. Die Modemacherin aus dem ehemaligen Township Soweto verkauft in einer Galerie hier Kleider westlichen Designs, die mit südafrikanischen Elementen versehen sind. "Die Atmosphäre hier ist angenehm und man trifft Menschen aller Hautfarben. Außerdem fühle ich mich sicher. Aber sobald ich das Viertel verlasse, wird es gefährlich. Meine Tochter wurde neulich wenige Meter von hier von drei Männern bedroht und als Kokosnuss beschimpft." Kokosnuss werden in Südafrika Schwarze genannt, die es zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben und denen man vorwirft, wie weiße Südafrikaner sein zu wollen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite von Maboneng fängt das schmutzige, chaotische und gefährliche Johannesburg an. Müll stapelt sich auf den Brachen zwischen heruntergekommenen Häusern. Auf den Gehsteigen lungern junge Männer herum, viele davon sind obdachlos.

Die Wohnungspreise haben sich verdoppelt

Ein privater Sicherheitsdienst sorgt dezent dafür, dass sich nicht die "falschen" Besucher in den neu entstandenen Bezirk mit seinen hippen Cafés, Restaurants, Kunstgalerien und Ateliers, Designerboutiquen und Luxusapartments verirren.

Vor sechs Jahren hatte der heute 31-jährige Johannesburger Investor Jonathan Liebman angefangen, im bis dahin verrufenen Stadtteil Jeppestown günstig Haus um Haus zu kaufen. Seine Firma Propertuity renovierte die meist leerstehenden ehemaligen Industriegebäude und Lagerhallen, um sie dann als schicke Wohnungen, Büros, Geschäfte und Veranstaltungsorte zu vermieten oder zu verkaufen. Maboneng nannte Liebman sein Viertel – das heißt auf Sesotho "Platz des Lichts". "Maboneng ist eine Art Lifestyle geworden", sagt Alice Cabaret von Propertuity. "Die Menschen fühlen sich hier sicher und wohl. Und die Wohnungspreise haben sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt."

Das Viertel wird inzwischen in Reiseführern und internationalen Designermagazinen erwähnt. Berühmte Künstler wie William Kentridge haben hier ein Atelier, das Goethe-Institut betreibt einen schicken Ausstellungssaal. Vielen Südafrikanern der gehobenen Schichten gefällt das, schließlich ist das Zentrum Johannesburgs seit Jahrzehnten ein Ort, den sie aus Angst vor Gewalt meiden.

Nach dem Ende der Apartheid-Ära hatten die weißen und meist wohlhabenden Bewohner die Innenstadt Richtung Norden in die sicheren Vororte verlassen. Die leer stehenden Häuser im Zentrum bezogen schwarze Südafrikaner aus den Townships und Slums oder Immigranten aus den Nachbarstaaten – fast alle von ihnen arm. Viele der Gebäude wurden besetzt und besaßen weder Strom- noch Wasseranschluss.

Sibuso Mbuthi wohnt im noch unsanierten Teil des Bezirks Jeppestown und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Mal passt er auf geparkte Autos auf, mal macht er Botendienste. Ab und zu wandert er durch Maboneng und schaut sich die farbenfrohen Graffitis an den Mauern an. In die Galerien oder Läden traut er sich nicht. Als er an einem Straßenbistro vorbeikommt, in dem drei Geschäftsmänner in Anzügen und eine Frau im Kostüm Sandwiches und Salat essen, bleibt er kurz stehen. "Es sieht hier nett aus", sagt er. "Und ich finde toll, dass Schwarze und Weiße zusammensitzen." Nach einem scheuen Blick auf das Menü und die Preise, die mit Kreide auf eine große Schiefertafel geschrieben sind, sagt der 27-Jährige leise: "Aber ich könnte mir hier nicht mal ein Glas Wasser leisten."