Iih. Irgendwie komisch riecht es hier. Muss die getrocknete Sauermilch in Weckgläsern sein, die den Besucher der Düsseldorfer Kunsthalle empfängt. Ein wenig enttäuscht kehren zwei Freundinnen von ihrem Rundgang zum Garderobenschrank zurück. Die jungen Frauen hatten sich irgendwie was anderes vorgestellt, was – nun ja, was Appetitlicheres. "Sehr speziell", sagen sie, nach ihrem Resümée befragt. "Interessant."

Interessant, wenn es ums Essen geht, ist das ein ziemlich zweifelhaftes Kompliment, ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Wirklich geschmeckt hat es einem nicht, aber der Gastgeber hat sich doch Mühe gegeben!

Kunst ist nicht zum Essen da, sie muss einem nicht schmecken, ja soll es gar nicht. Und doch – interessant: Das Urteil trifft es ganz gut. Wobei das Problem nicht darin liegt, dass die Ausstellung über das Essen in der Kunst zu speziell wäre, sondern dass sie eher zu umfassend ist. Eating the Universe, der Titel – ein Zitat des Kochfilmkünstlers Peter Kubelka – ist Programm: Hier kommt alles auf den Tisch, von der Essstörung bis zur Fernsehkochshow. Es geht um Hunger und Globalisierung, Mythisches und Alltägliches, um Fragen des Geschmacks, um die Küche, den Ekel und den Tod. Essen ist nun mal etwas ganz Elementares, als Thema und Material unerschöpflich – wo fängt man da an, wo hört man auf?

Ausgangs- und Mittelpunkt der Schau ist Daniel Spoerri, Erfinder der Eat Art, der ganz in der Nähe der Düsseldorfer Kunsthalle vor vierzig Jahren sein Restaurant und seine Eat Art Galerie einrichtete. Seine Fallenbilder, sein aus der Sandale quellendes Brot wirken ebenso wie die Arbeiten seiner Freunde – etwa Dieter Roths Portrait of the Artist as a Vogelfutterbüste – auch nach Jahrzehnten noch witzig und frisch. Spoerri, der in diesem Jahr 80 wird, wird in Düsseldorf auch eins seiner berühmten Bankette inszenieren: Das umfangreiche Rahmenprogramm mit Auftritten verschiedener Künstler, darunter auch Peter Kubelka, ist weniger Ergänzung der Ausstellung als Teil derselben.

Kunst nur zum Gucken, das war Spoerri schon immer zu wenig. Deswegen arbeitet er ja so gerne mit Essen: weil es alle Sinne anspricht. Das riecht man. In der Düsseldorfer Ausstellung duftet es nicht, es stinkt, nicht laut, aber leise. Es ist ein latentes Unbehagen, das den Besucher in der Nase kitzelt, der Geruch lässt sich schwer orten – es könnte die Schafsmilch von Arpad Dobriban sein, vielleicht auch sein geräuchertes Schweinefett im ersten Stock oder die Kinderkotze, die Carsten Höller in eine Ecke geklatscht hat.

Der Reiz, den Lebensmittel als Material für Künstler haben, wird in Düsseldorf sehr deutlich. Schneeweiß leuchtet der Zucker, von Thomas Rentmeister zu einem Berg aufgeschüttet, aus dem ein Einkaufswagen herausragt, eine Arbeit, die das Ästhetische mit dem Politischen verbindet, ohne dass der Künstler den Holzhammer in die Hand nimmt. Oder die Reibekuchen, die Judith Samen zu Hunderten an die Wand genagelt hat: aus der Ferne betrachtet ein wunderbares abstraktes Bild, eine Symphonie in Braun, von Nahem verleiht die vielfältige plastische Struktur den Plätzchen etwas Skulpturales. Kein Werk für die Ewigkeit: Nach einer Weile fangen die Kartoffelplätzchen an sich zu wölben, vor Fett zu tropfen. Gerade das übt auf die Künstler eine große Faszination aus: dass Essen nicht tot ist, sondern lebendige Materie. Manchmal zu lebendig – unheimlich wirken Günter Weselers atmende Fellobjekte, als läge da ein echtes Tier in der Schale. Als wüsste man beim Essen nie, wer da wen beißt, der Mensch das Tier oder umgekehrt.