Als die Scheinwerfer der TV-Teams längst erloschen waren, als das Gedränge um ihn weniger wurde und endlich auch alte Freunde und Kollegen zu ihm vordringen konnten, um ihm zu gratulieren, da stand René Redzepi wie benommen da. Der einzige Satz, der ihm noch einfiel, war: "Ist das nicht Wahnsinn?" Er hatte gerade erfahren, dass er der beste Koch der Welt ist.

Davon jedenfalls ist eine internationale Jury aus über 800 Meisterköchen und renommierten Gastrokritikern überzeugt. Sie setzten das Kopenhagener Restaurant Noma an die Spitze der Rangliste von The S. Pellegrino World’s 50 Best Restaurants 2010 . Die Auszeichnung, die vor allem das internationale Image der Restaurants beleuchtet, wird in der Branche mit großer Spannung verfolgt.

Redzepi ist einer der Vorkämpfer der Neuen Nordischen Küche, in der man sich so bedingungslos auf regionale Produkte beschränkt, dass sogar Olivenöl verpönt ist und mit Heu-Asche gewürzt wird. Was den Koch so sprachlos machte, war aber nicht so sehr die Tatsache, dass der "Restaurant-Oscar" nicht nach Frankreich, nicht nach Spanien und nicht nach Japan ging. Redzepi hatte gerade seinem wichtigsten Lehrmeister den Rang abgelaufen: Ferran Adrià , in dessen Restaurant er eine Zeitlang gearbeitet hatte, wurde diesmal nur Zweiter.

Fünf Mal hatte Adrià die Bestenliste von San Pellegrino angeführt . Dass er diesmal seinen Spitzenreiter-Platz abgeben musste, habe nichts damit zu tun, dass Adrià im Februar angekündigt hatte, sein El Bulli als Stiftung umzuwandeln , beteuerte die Jury in London . Immerhin ehrte sie den Katalanen mit einem Sonderpreis als "Koch des Jahrzehnts", ein Titel, der Adrià zweifellos zusteht. Selbst Fachleute, die ihn nie für den besten Koch der Welt gehalten haben, sondern höchstens für den verrücktesten, konnten ihm nie aberkennen, der einflussreichste zu sein.

Bezeichnenderweise kommt auch der Dritte auf der neuen San-Pellegrino-Liste aus Adriàs Stall: Heston Blumenthal. Auch er arbeitete einst bei Adrià, und mit Schaudern erzählen konservativere Feinschmecker, die schon einmal in seinem Restaurant The Fat Duck in Bray bei London gegessen haben, vom Schneckenporridge und von dem Chemielabor gleich neben der Küche.