1. Gebot: Du sollst das Basteln lieben

Dieses Gebot steht an erster Stelle, weil ein anständiger Gartengrill nach dem Ikea-Prinzip hergestellt wird. Das bedeutet: alle Bauteile sind einzeln verpackt und müssen vom Hobbygriller zusammengebaut werden. (Professionellen Grillern liefert man den Grill fertig ins Haus, bzw. in den Garten.) Die Do-it-yourself-Methode haben die Hersteller natürlich gewählt, um die Montagekosten auf den Käufer abzuwälzen. Das ist schlau gedacht, verrät aber auch ein gewisses Gerechtigkeitsgefühl. Der künftige Griller (mögen sich die Hersteller gedacht haben) soll wegen des Gestanks, mit dem er die Nachbarschaft quält, auch etwas leiden. Der Profigriller kauft erfahrungsgemäß ein Grillgerät mit den Ausmaßen einen Konzertflügels für den Preis eines Kompaktwagens; deshalb wird ihm nicht noch zusätzlich das Drehen von Schrauben zugemutet.

2. Gebot: Du hast die Wahl, nutze sie!

Die Entscheidung zwischen einem Gas- und einem Holzkohlegrill entspricht der zwischen Dackel und Dobermann. Gebissen wirst du in jedem Fall, sofern du Briefträger bist. Das heißt: Arbeite stets mit dicken Küchenhandschuhen, denn jeder Grill wird auf die Dauer glühend heiß. Für den Gasgrill musst du pro Saison eine schwere Gasflasche besorgen, Holzkohle wirst du bei jedem Besuch an der Tankstelle kaufen.

3. Gebot: Du sollst einen Garten besitzen

Dieses Gebot halten Mieter für unzumutbar, denen ein Balkon die Natur ersetzen muss. Eine nur laxe Befolgung dieser Vorschrift kann jedoch schon zu Ereignissen führen, die den Griller und seine Familie in die Lokalzeitung und die Feuerwehr in Aktion bringen wird. Denn ein Grill kann explodieren.

4. Gebot: Du sollst ökologisch grillen

Wer unbedingt auf Rauchgeschmack beim Grillgut Wert legt, wird gebeten, diesen nicht durch ein künstliches Holzaroma zu erzeugen, sondern mithilfe echten, saftigen Naturholzes. Beliebt sind dabei Mischungen wie Birke und Eiche sowie Ulme und Mahagoni, da diese Bäume häufiger als andere Bäume mit aromatischen Pilzen zusammen gelebt haben. Die Geduld, die der Griller haben muss, um diese Hölzer zur richtigen Hitzeentwicklung zu bewegen, entspricht in ihrem Effekt der langsamen Niedrigtemperatur-Garmethode, ist also als kulinarisch zu bezeichnen. Bei zu langsamer Erhitzung ist vom Zuguss von Benzin abzuraten. Das ist eine veraltete Grilltechnik, die die Berechtigung des 3. Gebotes unterstreicht.

5. Gebot: Du sollst die Würste ehren

Ein Gartengrill und Würste sind wie füreinander bestimmt. Eine auf heißem Rost geschlossene Verbindung hält ewig, sagt man. Aber Achtung! Die bräutliche Erscheinung einer Bratwurst kann Schaden nehmen, wenn die Leidenschaft des Grillers zu hitzig ist. Dunkelbraune oder gar schwarze Brandstellen an der Haut lassen eher darauf schließen, dass es sich um eine Machoküche handelt, bei der die Äußerlichkeit der Wurst zugunsten ihrer Fülle vernachlässigt wird.