Es ist, als würde tagtäglich ein unerhörtes Verbrechen stattfinden. Dieses Verbrechen wird von einer Industrie begangen, die uns eine veraltete und gefährliche Methode aufzwingen will; und das nur, weil sie seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine Monopolstellung innehatte. Und diese Monopolstellung, koste es, was es wolle, wieder zurückhaben will. Doch am deutschen Wesen wird dieses Vorhaben scheitern.

Die Rede ist von dem Verbrechen, Weine mit einem Naturkorken zu verschließen; ein monströses Verbrechen geradezu, da ist die deutsche Weinjournalistik ausnahmsweise mal absolut einer Meinung.

Um die Geschichte des Korkenhasses zu verstehen, muss man etwa 15 Jahre zurückblicken: Damals stieg die Weinproduktion wertiger und hochwertiger Weine weltweit stark an. Die Mittelschicht hatte all ihre großen Investitionen getätigt, nun ging es an die Verfeinerung der Lebenskultur. Essen wurde wichtig. Und mit dem Essen auch der Wein.

Darauf waren die Korkhersteller dieser Welt nicht vorbereitet. Sie hatten den Großteil ihrer Produktion bisher für Böden, Matten und Dämmstoffe verwendet. Der Korkverschluss spielte eine eher untergeordnete Rolle. Doch auf einmal wollte die ganze Welt mehr Naturkorken für die vielen zusätzlichen Flaschen, die da gefüllt werden sollten. Was tun?

Während die deutsche Industrie erstmal geprüft hätte, ob die Vorraussetzungen für eine Produktionssteigerung bei anhaltender Qualität überhaupt gegeben ist, schälten die meist im Süden Europas beheimateten Korkhersteller, was zu schälen war. Und weil sie ihre Augen nicht überall haben konnten, geriet manche Charge von Naturkorken zum Desaster. Und zerstörte tausende und abertausende Weine.

Korkfehler gab es auch vor dieser Entwicklung schon, gar nicht mal so selten. Doch man hatte gelernt, mit ihnen zu leben. Das große Hadern begann erst, als ausgerechnet der 66er Chateau Margaux betroffen war.

Die Häufung dramatischer Korkfehler aufgrund unkontrollierter Überproduktion (so sagen selbst die Korkhersteller) brachte das Fass zum Überlaufen. Der Unmut richtete sich immer mehr gegen eine Korkindustrie, die jedem Weintrinker mindestens einmal in der Woche das Trinken vermieste. Von der Stimmung der Gastronomen ganz zu schweigen. Daher kommt der Hass.