Kann ich eigentlich normales Bier kaufen? Oder muss es da etwa auch bio sein?
Gegenfrage: Wenn Sie sonst Wert auf biologischen Anbau legen – warum sollten Sie es ausgerechnet bei Bier nicht tun?

Und sollte man einem so populären Getränk (die Deutschen trinken sage und schreibe 100 Millionen Hektoliter pro Jahr!) nicht meinen, dass die Kundschaft Wert auf ökologische Ware legt? Tut sie aber offenbar nicht.

Der Anteil der Ökobiere am deutschen Gesamtmarkt liegt bei etwa zwei Prozent. Was vermutlich daran liegt, dass deutsches Bier grundsätzlich ein so gutes Image hat, dass "man meint, es sei sowieso schon bio", wie Marc-Oliver Huhnholz vom deutschen Brauer-Bund vermutet.

Denn nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland ist "the Reinheitsgebot" ein Begriff. Und wenn ein Produkt per Definition schon rein ist, scheint der Versuch, es noch sauberer zu produzieren, ziemlich sinnlos. Tatsächlich schnitten bei einem Test der Zeitschrift Ökotest im Sommer letzten Jahres von 20 getesteten Bieren aus großen und kleinen Brauereien neunzehn mit Bestnote ab. Getestet wurden dabei vor allem Geschmack und Schadstoffbelastung.

Deutsches Bier ist also tatsächlich ein so sauberes Produkt, wie das Reinheitsgebot verspricht. Beinahe zumindest. Denn ganz so ursprünglich, wie der Originaltext aus dem Jahr 1516 verspricht, wird Bier heute dann doch nicht mehr gebraut. Was im Bier drin sein darf, ist heute im Biergesetz festgelegt. Demnach dürfen nur vier Zutaten verwendet werden – Malz, Hopfen, Wasser, Hefe.

Allerdings gibt es auch eine Zusatzstoff-Zusatzverordnung. Hinter diesem unhandlichen Begriff verbirgt sich eine Liste weiterer Stoffe, die in Bier enthalten sein dürfen – etwa Ascorbin- und Milchsäure, Zuckercouleur sowie Schwefeldioxid.

Auch für Filterung und Sterilisation können Stoffe verwendet werden, die Puristen bedenklich finden. Da bei Schadstoffen für Bier allerdings mindestens die gleichen Grenzwerte gelten, wie für Trinkwasser, braucht man sich in dieser Beziehung eigentlich keine Sorgen machen. Und: Biere mit Zusatzstoffen dürfen nicht die Bezeichnung "Nach deutschem Reinheitsgebot gebraut" tragen.

Leider gibt es aber auch beim rein gebrauten Bier einen Haken: Das Gebot bezieht sich auf die Zusammensetzung der Zutaten, nicht deren Herkunft. Das Getreide und der Hopfen für normales Bier kommen aus herkömmlichem Anbau und sind eben nicht notwendig biologisch einwandfrei.

Für die Umwelt ist Ökobier besser: Die Zutaten werden ökologisch angebaut, der Hopfen nicht geschwefelt. Manche Ökomarken, wie Lammsbräu, haben strengere, interne Reinheitsgebote, und bemühen sich außerdem um sozial verträglichen Handel. Bei den gut 109 Litern Bier, die der Durchschnittsdeutsche im Jahr trinkt, macht das dann doch einen erheblichen Unterschied.