Es gibt Nationen, die verbindet man sofort mit ihrer Küche. Italien ist berühmt für Pizza und Pasta, Japan für Sushi und Stäbchen, Frankreich für Baguette und Brie. Die ersten Assoziationen, die Korea in deutschen Köpfen auslöst, sind LCD-Fernseher und Kleinwagen – noch.

Eine Welle von Neueröffnungen koreanischer Restaurants scheint momentan nicht nur das Image des ostasiatischen Landes, sondern auch unsere Geschmacksgewohnheiten zu verändern.

In New York hat man längst seinen Lieblingskoreaner, eines der Restaurants von Sternekoch David Chang zum Beispiel. Chang ist 33 Jahre alt, koreanischer Herkunft und Besitzer vier Restaurants. Sein erster Laden, die Momufuku Noodle Bar, eröffnete er 2004 im angesagten East Village mit dem Credo: leckeres, günstiges Essen mit koreanischem Einfluss, schneller Service, minimalistische Einrichtung, keine Annahme von Reservierungen und keine Extrabehandlung für Prominente.

Sein Konzept ging auf. Seine Gäste stehen Schlange, er wird mit Preisen überhäuft und das Magazin Time kürte David Chang zu einem der 100 einflussreichsten Menschen im Jahr 2010.

Wie kommt es zu diesem plötzlichen Siegeszug der koreanischen Küche, der mittlerweile auch in deutschen Großstädten zu beobachten ist? Laut Young-Mi Park, die mit zwei Partnern seit 2009 das koreanische Restaurant Kimchi Princess in Berlin-Kreuzberg betreibt, liegt es an einem neuen Selbstbewusstsein ihrer Landsleute. "Koreaner dachten lange, dass den Deutschen ihr Essen nicht schmecke. Meine Eltern sagten immer, die Deutschen mögen keinen Knoblauch und keine scharfen Gewürze und sie fänden den Geruch unseres Essens komisch."

Park ist Anfang dreißig, lebt in zweiter Generation in Deutschland und ist mit koreanischer Küche aufgewachsen. "Doch auf einmal habe ich gemerkt, dass meine Freunde auf unser Essen neugierig waren und sie es mochten. Meine Generation an Koreanern in Deutschland ist mutiger geworden und sie ist stolz auf ihr Essen."

Der aktuelle Hype, den die koreanische Küche momentan erfährt, ist teilweise so stark, dass Restaurantbesitzer eine Erwähnung in der Presse ablehnen. "Der Andrang auf mein Restaurant ist überwältigend. Ich brauche keine Werbung. Im Gegenteil: Ich habe Angst, dass meine Stammgäste nicht mehr kommen, da einfach kein Tisch mehr zu haben ist", sagt die Betreiberin eines koreanischen Restaurants in Berlin-Mitte.