Die Aldi-Nord-Filiale auf der oberen Greifswalder Straße ist ein Beispiel für die andere deutsche Wirklichkeit, jene Welt abseits der schicken Feinkostläden und der gemütlichen Bohemien-Bistros des Weltverbesserer-Quartiers Prenzlauer Berg.

Man muss nur ein bisschen an den Weinregalen herumstehen und aufzeichnen, was da gekauft wird. Mein Fazit: Vor allem die billigste Industrieplörre aus Chile, Spanien oder Italien. Und deutscher Wein, doch der ist meistens teurer. Den Konsumenten hier geht es vor allem um eine preisgünstige Variante. Dennoch prüfen sie jede Flasche ganz genau. Zu Recht, denn auch in Discounterregalen gibt es gute Weine zu entdecken.

Zumindest ab und zu. Hans Lang, immerhin ein eingetragener Winzer des Verbands deutscher Prädikatswinzer VDP, hat vor zwei Jahren für Aldi-Süd (immer noch ein anderes Pflaster als Aldi-Nord) 60.000 Flaschen besten Gutsrieslings produziert. Für 7,99 Euro Ladenpreis. Der Wein war binnen einer Woche wieder aus den Regalen verschwunden. Ausverkauft. Langs Versuch war ein Startschuss für andere renommierte Winzer wie zum Beispiel Franz Keller, S.A. Prüm und Junge Winzer Baden.

Ich stelle mich näher zum Regal und frage einige Leute, ob sie ebenfalls zwischen sieben und acht Euro für einen sehr guten deutschen Riesling zahlen würden. Das Ergebnis ist keine Überraschung. Die Jüngeren sagen ja. Die Älteren sagen nein. Mein Fazit: Auch Konsumenten, die meistens beim Discounter einkaufen, sind an gutem Wein interessiert. Wenn sie unter Vierzig sind.

Viele Winzer haben jedoch nach wie vor Angst, dass ihre Flaschen ausgerechnet bei Aldi im Regal stehen. Hans Lang jedoch hat seine Marke durch seinen Auftritt dort nicht ruiniert.

Ganz im Gegenteil: Wenn guter deutscher Wein in einem Billigmarkt zu kaufen ist, kann er eine neue Klientel erreichen. Am Beispiel Österreich kann man sehen, was eine kluge Weinpolitik bewirken kann. Der österreichische Wein ist heute – auch Dank der Discounter – in allen Schichten etabliert. Die Österreicher geben inzwischen für eine Flasche ein Drittel mehr aus als noch vor zehn Jahren.