Zugegeben, ich bin kein ausgewiesener Fan der roten Burgunder. Auch zugegeben, es gibt ein paar fantastische Burgunder von fantastischen Winzern. Etwa von Meo-Camuzet, Jean-Jacques Confuron, oder Comte de Vogüé. Das ist richtig großes Theater.

Doch mir ist das Brimborium zuwider, das um den Pinot-Noir aus Beaune und Umgebung gemacht wird. Viele dieser Weine sind teuer und mittelmäßig, manche sogar schlecht. Und das Prinzip der Verknappung nervt mich auch. Ein Wein ist nicht automatisch ein guter Wein, nur weil lediglich 1800 Flaschen von ihm gekeltert werden. Solche rare Weine gibt es jede Menge in Burgund. 1er Grand Cru soundso. Na und?

Mir geht es wie vielen anderen Weinenthusiasten. Wir sind von den Weinen des Burgunds enttäuscht. Wir alle haben unfassbar viel Geld ausgegeben, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Das, was wir wollen, kann das Burgund nicht liefern.
Was hätten wir für dieses Geld alles bekommen können? Fantastische Flaschen aus dem Bordelais. Oder alte und gut gereifte Rieslinge von der Mosel.

Die Pinot-Noir-Rebe ist eine komplizierte Pflanze. Ihre Beeren sind anfälliger für Krankheiten, sie sind extrem wetterempfindlich. In jeder Hinsicht dünnhäutig. Die Weine sind oft schwachbrüstig, sauer und bitter.

Cabernet oder Chardonnay: Das kann jeder. An den Pinot-Noir hingegen sollten sich nur Winzer wagen, die die Traube wirklich verstehen, die ihre Eigenschaften erkennen, ihre Eleganz herausarbeiten und der Eleganz auch die nötige Noblesse geben. Ein guter Pinot-Noir-Winzer muss wie ein Kürschnermeister sein. Er muss das Fell zum Stoff machen. Immer mehr dieser guten Pinot-Noir-Winzer kommen aus Deutschland.

Das hat viele Gründe. Die beiden wichtigsten sind jene, die im Zusammenhang mit deutschem Wein nun häufiger genannt werden. Die Klimaveränderung. Und das Können der Winzer. Diese beiden Faktoren machen Deutschland seit einigen Jahren zu einem interessanten Rotweinland.

Das wirklich Fantastische an diesen neuen deutschen Pinot-Noirs (in Deutschland Spätburgunder genannt): Auch die einfacheren Kategorien schmecken hervorragend. Etwa der Spätburgunder 2007 "Oberbergener Bassgeige" von Franz Keller. Ein Wein für vergleichbar wenig Geld, der die deutsche Art, mit Pinot-Noir umzugehen, perfekt erklärt: die noble Kühle, die sich mit einer präzise ausgearbeiteten Frucht paart. Das können auch andere deutsche Spätburgunder, etwa jene von den Brüdern Adeneuer, Friedrich Becker, Ludi Neiss, Bernhard Huber, Wolf Salwey, Karl H. Johner, Jacob Duijin, Knab und Ziereisen.