Weihnachtszeit. Immer auch die Zeit der olfaktorischen Belästigung. Wer durch die zahlreichen Weihnachtsmärkte geht, wird stets die Gerüche seiner Kindheit suchen. Und sie kaum noch finden. Stattdessen billige Aromen, künstlich süßlich, oberflächlich und parfümiert, allesamt aus dem Duftlabor der Lebensmittelindustrie. Der Geruch, der einem immer den Appetit verdirbt, weht von den vielen Punsch- und Glühweinständen her, wo man meistens nur Plörre in die Becher kippt. Igitt.

Dabei könnte es ganz anders sein. Glühwein ist zwar nicht das Getränk, das man als Weinenthusiast unbedingt in die erste Reihe stellt. Doch er wärmt Körper und Seele im kalten und vorweihnachtlich grausamen Winter.

Glühwein ist immer ein Kompromiss, denn die Gewürze stellen den Wein gleich in den Hintergrund. Dieser spielt im ersten Moment der Begegnung zwar keine Hauptrolle. Aber gerade deswegen muss die Basis eines Glühweins ein Wein mit Aussage und Charakter sein. Und keine billige Massenware.

Wer jetzt glaubt, man müsse einen Château Mouton anwärmen, der irrt. Ganz im Gegenteil: Für Glühwein sollte man einen fruchtbetonten und gerbstoffarmen Wein verwenden, einen jungen Wein, der nicht im Holzfass gelagert wurde. Und eigentlich geht auch nur Rotwein, also ein junger Lemberger, ein Dornfelder, bedingt ein Merlot, auch ein Dolcetto aus dem Piemont (obwohl der schon mit Tanninen auffährt), ein Novello, oder ein Beaujolais Nouveau (vielleicht ist Glühwein ja das einzige Getränk, was man aus diesem Wein machen sollte).

Ich verwende für Glühwein gerne einen fruchtigen Zweigelt aus Österreich. Einen, der mich ein wenig beeindrucken kann. Also einen Zweigelt aus dem Burgenland. Von einem Winzer, der sich auch beim Keltern seiner einfachen Weine Gedanken macht. Wenn der Glühwein etwas leichtfüßiger und femininer sein soll, dann kann man eine Cuvée aus Rot- und Weißwein panschen. Ich füge dem Roten nicht mehr als 20 Prozent Weißwein zu und verwende hierfür eine eher neutrale Rebsorte mit mittlerer Säure, also einen leichten Grauburgunder oder einen Chardonnay. Auch der darf selbstredend nicht im Holz ausgebaut worden sein.

Der Wein im Topf sollte langsam bis auf etwa 80 Grad erwärmt werden. Das ist wichtig, denn nach dieser Temperaturgrenze beginnt der im Wein enthaltene Alkohol zu verdampfen. Wer seinen Glühwein also aufkocht, kann die Brühe am besten gleich wegschütten.

In den Wein gebe ich vor dem Kochen etwas Zucker (nie zu viel, denn der Zucker drängt nach dem Erwärmen in den Vordergrund), dann Gewürznelken, Zimtstangen, Vanilleschoten, Kardamom, Sternanis und ein paar Zitronen- und Orangenschalen. Und – zugegeben – auch ein paar Orangenstücke. Zuletzt habe ich den Wein auch mit einer leicht bitteren Orangenmarmelade abgerundet, die ich in geringster Menge untergerührt habe. Das macht den Glühwein ein wenig molliger. Wichtig natürlich: Die Gewürze müssen frisch sein. Von industriellen Glühweingewürzen, womöglich gleich im Beutel abgepackt, muss Abstand genommen werden. Hier sind die Aromastoffe drin, die einem das Getränk vermiesen.