Champagner verfügt nach wie vor über ein Alleinstellungsmerkmal. Er gilt als Getränk der Reichen und Schönen. Und als Symbol für Luxus; Luxus, den sich das Volk meist nur einmal im Jahr, zum Jahreswechsel, leisten will. Die Verkäufe der Stunden bis Silvester entscheiden seit jeher über das Wohl und Wehe vieler Schaumweinhersteller. Wenn jetzt nichts geht, geht nie etwas.

Ich bin alt genug, mich an viele Champagner zu erinnern, die noch den exklusiven Champagner-Geschmack hatten. Jene Note, die den Abstand zu einfachen Sekten und anderen, auch aufwändigeren Schaumweinen ausmachte. Champagner war einfach einzigartig. Das hat sich in den letzten Jahren auffällig geändert. Er wurde beliebiger und austauschbarer.

Der Grund dafür: Die Champagnerhäuser haben in den letzten zehn Jahren zunehmend die Sicherung der Qualität vergessen. Das schmeckt man vor allem bei den großen Häusern, die Millionen Flaschen abfüllen. Sie können ihre Schwankungen nur sehr schwer verbergen. Kleine und mittlere Hersteller, wie etwa Pol-Roger, Bollinger, oder Gosset, alle noch in Familienbesitz, retten die Ehre der Region.

Trotzdem fragen sich viele Konsumenten, ob es nicht einen anderen, einen gleichwertigen Schaumwein gibt, der dem Champagner ebenbürtig ist. Doch leider finden sie meistens nur billige Schaumweine aus industrieller Produktion. Dabei gibt es längst Besseres – etwa einwandfreie und vergnüglich zu trinkende Winzersekte und andere vorwiegend regionale Alternativen, die sich mit gutem Champagner messen können. Messen, aber nicht vergleichen.

Denn der Vergleich hapert immer. Da wird vom Weinhändler ein Crémant empfohlen, der nahe an einen Champagner herankommen soll. Dann wieder wollen die italienischen Schaumweine aus der Region Franciacorta dem Champagner ebenbürtig werden. Oder ein sehr exklusiver katalanischer Cava. Das alles ist – mit Verlaub – nur dummes Geschwätz. Champagner bleibt Champagner.

Die Alternativen zu Champagner müssen gerade deshalb vor allem eigenständig sein, eine eigene Schaumweinkultur ausdrücken und mit Region und Boden verwurzelt bleiben. Also all das bieten, was Terroir ausmacht.

Eine solche Alternative, eine noch dazu in Deutschland fast gänzlich unbekannte, findet man im oberitalienischen Trentino. Die Region schließt an Südtirol an und wird landschaftlich von den Dolomiten geprägt, die im Süden in einer breiten Öffnung zu Verona hin ausklingen. Diese Grenze zwischen Berg und Ebene gibt dem Trentino ein ganz spezielles Mikroklima. Nicht Süden, nicht Norden. Die Weinhänge liegen eine Spur tiefer als im benachbarten Südtirol, die Tagestemperaturen können einen Tick höher ausfallen. Die Nächte im Sommer bleiben aber kühl. Im Trentino kann man viele klimatische Vorteile wahrnehmen, die anderen Regionen versagt bleiben.

Im Trentino keltert man neben dem spannenden und säurebetonten Rotwein Teroldego vor allem Schaumweine. Und zwar seit jeher nach der Champagnermethode. Die Champagne war auch zweifelsfrei das Vorbild für die Trentiner Winzer, denn als Sorten bevorzugt man hier Chardonnay und Pinot-Noir, die auch in der Champagne mehrheitlich zum Einsatz kommen. Im Trentino bestimmt jedoch der Chardonnay und nicht der Pinot die meisten Cuvées. Wenn es überhaupt eine Vermischung der Trauben gibt.