Im Supermarkt müssen sich die Verbraucher oft auf die Verpackungsangaben verlassen. Doch viele Hersteller scheinen das ihnen entgegengebrachte Vertrauen zu missbrauchen. Die Angaben auf Etiketten und übertriebene Werbung führen den Verbraucher oft in die Irre und täuschen über die wahre Qualität von Lebensmitteln hinweg, teilt die Stiftung Warentest mit.

Die Redaktion des Verbrauchermagazins beanstandet jedes vierte Etikett, nachdem sie 30 Lebensmitteltests ausgewertet hat, die zwischen 2008 und 2010 gemacht wurden. Von 749 getesteten Produkten waren demnach 205 "ausreichend" oder "mangelhaft". Häufig ließen sich die Mängel in der Kennzeichnung schon mit bloßem Auge erkennen. So warben manche Hersteller von Smoothies mit hochwertigen Früchten im Namen oder auf den Bildern. Doch auf der Zutatenliste machten diese tatsächlich nur einen kleinen Anteil aus.

Die meisten Verstöße waren jedoch nicht mit dem bloßen Auge erkennbar. Erst im Labor konnten die Gutachter die Mängel in den Produkten aufdecken, etwa im Vanilleeis. Denn nicht überall wo Vanille draufsteht, ist auch wirklich Vanille drin. In acht von 22 Fällen war das künstliche Vanillin enthalten. Auf den Packungen warben die Hersteller aber mit Abbildungen natürlicher Vanilleblüten- und schoten.

Auch im Test von Basmatireis fanden sich zwei Produkte, die kein einziges Reiskorn der Sorte enthielten. In einem Rahmspinat fanden die Gutachter keinen Rahm, sondern eine Soße aus Milch. Bei einem vermeintlich hochwertigen Wildlachs stellte sich im Labor heraus, dass in seinem Leben nie das Freie gesehen hatte. Er stammte aus einer Zuchtstation. Auch wer teure Öle einkauft, sollte achtsam sein. Von 28 Olivenölen waren sechs nicht "nativ extra", wie es das Etikett versprach. Unter den Gewürzölen fanden sich zwei mit künstlichem Aroma anstelle des angepriesenen Trüffel- und Steinpilzaromas.

In fast jedem Lebensmittel-Test prangert die Stiftung Warentest eine unzulängliche Kennzeichnung an. Die Kritik zeige Wirkung, teilt das Verbrauchermagazin mit. Die Anbieter reagierten meist und passten daraufhin ihre Produkte an. Manchmal greife auch die amtliche Lebensmittelkontrolle ein.

Der Kampf gegen den Etikettenschwindel steht auch auf der Agenda der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Sie will die Lebensmittelhersteller stärker kontrollieren. Auf einer Internetseite sollen Verbraucher schon bald Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen. Verbraucherschützer sollten die Fälle dann prüfen und kommentieren. Die Unternehmen könnten Stellungnahmen abgeben.